Start-up bietet Rundum-Schutz für Webseiten und Online-Shops
Swjatoslav Cicer und Yuliy Finkelstein (v.l.) haben es mit dem Netwächter beim Finale der Start-up Pitch Competition auf der Familienunternehmer-Konferenz der News im Juli auf den zweiten Platz geschafft.

Start-up bietet Rundum-Schutz für Webseiten und Online-Shops

Schon einmal etwas von Hacker- oder DDoS-Attacken und Botnetzen gehört? Nein? Bei einer DDoS-Attacke (Distributed Denial-of-Service) bombardieren Hacker die Webseite so lange mit massenhaften Zugriffen bis sie zusammenbricht. Kunden können dann im Online-Shop nichts mehr bestellen, Anfragen werden nicht beantwortet, Transaktionen nicht abgewickelt. Die betroffenen Unternehmen verlieren Umsatz und Image. Ein solcher Angriff kann Stunden, aber auch Tage dauern. Dabei verwenden die Angreifer oft ein Netzwerk gekaperter Computer oder internetfähiger Geräte, ein so genanntes Botnetz. Die meisten Hacker verlangen von den Betreibern der Webseite Geld, damit sie die Seite wieder freigeben oder keinen erneuten Angriff starten.

Ein solcher Angriff kostet viel Zeit und Geld, aber nur die wenigsten Webseiten und Online-Shops von kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) sind gegen solche Angriffe geschützt. Dafür gibt es verschiedene Gründe, vor allem aber ist Cyber Security für viele KMU ein zu komplexes Thema, für das sie oft weder das richtige noch ausreichend Personal haben. Auch die Notwendigkeit eines ausreichenden Schutzes begreifen manche Unternehmen erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Hinzu kommt, dass IT-Sicherheit Geld kostet, für kleinere Unternehmen oft zu viel.  Viele Anbieter für cloudbasierte Website-Schutz-Lösungen konzentrieren sich zudem auf große Unternehmen. Das Start-up „NET WÄCHTER“ aus Ostfildern bei Stuttgart bietet ein Produkt an, das sich jedes Unternehmen leisten kann und das neben dem Schutz der Website und des Online-Shops vor Hackerangriffen weitere Vorteile mit sich bringt: „Netwächter beschleunigt die Ladezeiten der Website, zum Beispiel durch Traffic-Komprimierung, bietet  ein einfaches Backup von Websites sowie Datenbanken und überwacht Verfügbarkeit und Ladezeit“, erklärt Mitgründer Swjatoslav Cicer.

Cloud-basierte Security

Vereinfacht ausgedrückt werden Websites und E-Shops durch den vorgeschalteten Netwächter geschützt. Der Traffic wird überprüft und weitergeleitet, wenn er „sauber“ ist. Handelt es sich um einen Hacker-Angriff wird dieser blockiert und die Angreifer kommen erst gar nicht auf die Seite, die sie im Visier haben. Cicer vergleicht den Netwächter mit einem Drachen, der einen Schatz bewacht: „Sie können den Schatz im Haus verstecken, eine besonders stabile Tür, Fenster aus Panzerglas und eine Alarmanlage einbauen. Letztlich können Einbrecher aber alles überwinden. Haben Sie jedoch einen Feuer spuckenden Drachen auf dem Dach sitzen, kommen die Einbrecher erst gar nicht bis zum Haus“, sagt der 32-Jährige mit einem breiten Lachen. Außerdem seien die Schäden durch solche Angriffe, bei der die Website nicht mehr erreichbar ist, im Vergleich zu der Ausgabe für den Schutz riesig. „Zur Erpressung durch die Hacker, kommen der Umsatzverlust und Imageschäden durch den Ausfall der Website und die Aufwendungen für die Beseitigung des Schadens in der IT“, warnt Cicer. „Außerdem sind Unternehmen nach dem neuen IT-Sicherheitsgesetz, § 13, Absatz 7 TMG, verpflichtet, technische und organisatorische Maßnahmen nach dem aktuellen Stand der Technik zu ergreifen, um Webpräsenzen abzusichern. Andernfalls drohen den Betreibern Abmahnungen und Geldbußen bis zu 50.000 Euro.“ Dagegen sind die Gebühren für das monatliche Abonnement des Net-Wächters eher gering. Ein weiterer Vorteil ist laut Cicer, dass der Kunde weder Knowhow beim Thema IT-Security braucht noch eine Soft- oder Hardware kaufen und installieren muss: „Unsere Lösung ist cloudbasiert und bietet Überwachung und Schutz rund um die Uhr.“

Sicherheit plus

Der Netwächter ist nicht der einzige Nutzen, den Cicer und sein Mitgründer Yuliy Finkelstein ihren Kunden anbieten können. Das 2016 gegründete Start-up ist nämlich eine Ausgründung aus dem gemeinsamen IT-Systemhaus 2F-IT, das bereits seit 2012 besteht. „Damit haben wir die Möglichkeit, unseren Kunden eine ganzheitliche Beratung anzubieten, wenn sie das wünschen“, sagt Cicer. Stolz ist er auf die strategische Partnerschaft mit Acunetix, einem weltweit führenden Anbieter eines Web-Schwachstellen-Scanners, einem Tool, mit dem sich Sicherheitslücken in der Programmierung von Webseiten aufspüren lassen. „Wir können dieses Tool in die Netwächter-Firewall integrieren. Der Kunde erhält einen Report und der Entwickler hat Zeit, um die Schwachstellen zu beheben, solange Netwächter die Seite schützt.“ Cleveres Marketing: Wer Netwächter 14 Tage lang kostenlos testet, hat während dieser Phase auch Zugriff auf den Schwachstellenreport.

Keine Frischlinge

Nicht nur am Marketing merkt man, das Cicer und Finkelstein keine Neulinge sind, sondern eher schon fortgeschrittene Unternehmer. Zusammen bringen die beiden Freunde über 20 Jahre IT- und IT-Security-Erfahrung mit. Während der 34-jährige Finkelstein nach dem Studium in die Wirtschaft ging und das IT-Systemhaus gründete, verpflichtete sich Cicer als IT-Soldat auf Zeit mit Führungsverantwortung. „Bei der Bundeswehr habe ich Selbstdisziplin und -organisation gelernt und Führungserfahrung gesammelt. Im Gegensatz zum vorherrschenden Bild, wird sehr viel Wert auf die Ausbildung von Führungskräften gelegt. Gehorsam ist auch bei der Bundeswehr keine Tugend, die man von den Mitarbeitern erwartet, sondern eher Eigeninitiative und Entscheidungsfähigkeit“, sagt Cicer.

Aktuell ist das Start-up auf der Suche nach einem strategischen Investor, der sich in der Branche auskennt. „Wir möchten Personal aufbauen, das Marketing und die Weiterentwicklung unseres Produkts vorantreiben“, sagt Cicer. „Ein guter Stratege kann den Erfolg beschleunigen. Wir sind auch nicht auf Verkauf getrimmt, sondern eher auf langfristigen Erfolg. Momentan denken wir über weitere Produkte nach.“ Am Unternehmertum schätzen die beiden Gründer die Unabhängigkeit: „Man muss viel arbeiten, aber die Arbeit ist vielfältig, wir entwickeln uns stetig weiter, machen Fehler und lernen daraus. Wir möchten diesen Weg gehen. Wir gehen ihn gemeinsam und sehr gerne.“ Cicer ergänzt: „Ich kann mein Potenzial voll entwickeln und ich kann das tun, was mir Spaß macht. IT-Security ist meine Leidenschaft.“ (- ap)

www.netwaechter.de

Tipp: In der aktuellen Ausgabe der News finden Sie weitere Artikel zum Thema Cyber Security.

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