Pilz: Über Grenzen hinweg denken
Das Familienunternehmen Pilz setzt auf interdisziplinäres Zusammenspiel

Pilz: Über Grenzen hinweg denken

Der Automatisierungsspezialist Pilz mit Sitz in Ostfildern gilt als einer der Wegbereiter für das Thema Industrie 4.0. Susanne Kunschert, geschäftsführende Gesellschafterin, erzählt im Interview mit News-Redakteur Hendrik Fuchs, wie das Familienunternehmen den digitalen Wandel gestaltet.

In welchen Bereichen spiegelt sich die fortschreitende Digitalisierung bei Pilz über die Produkte hinaus wider? Welches sind für Sie hier die größten Herausforderungen hinsichtlich Mitarbeiter, Produktion und Organisation?

Susanne Kunschert: Digitalisierung und Vernetzung sind bei uns gelebte Praxis. So ist die Produktion bei Pilz mit den vor- und nachgelagerten Prozessen und Abläufen vernetzt. Die dafür notwendige Infrastruktur haben wir frühzeitig geschaffen und Elemente von Industrie 4.0 sind bereits implementiert. Wir haben erkannt, dass es nur dann funktioniert, wenn interdisziplinär gedacht und gehandelt wird, zum Beispiel zwischen Engineering sowie der Informations- und Kommunikationstechnik. So müssen die IT-Administratoren stärker in Fertigungs-Prozessen und wirtschaftlichen Zusammenhängen denken. Die Fertigungstechnik wiederum muss den Wert digitaler Daten und die Gesetzmäßigkeiten der Informationstechnik kennen. Und letztlich müssen die verschiedenen Bereiche lernen, in interdisziplinären Projekten zusammenzuarbeiten. Industrie 4.0 bedeutet also nicht nur einen Technologie-,

sondern auch einen Kulturwandel in allen Unternehmensbereichen. Industrie 4.0 ist somit keine rein technische Angelegenheit, sondern ein Change-Prozess, bei dem der Mensch im Mittelpunkt stehen muss.

Ihr Unternehmen ist im Bereich Digitalisierung/Automatisierung sehr innovativ. Worin liegt Ihr Erfolgsgeheimnis?

Die Innovationskraft liegt in der DNA unseres Unternehmens. Als unabhängiges Familienunternehmen ist Pilz auf langfristigen Erfolg ausgerichtet. Kompetenzen und Kapazitäten in den Bereichen Entwicklung und Produktion bauen wir intern und damit nachhaltig auf. Unsere Strategie ist es, innovative Ideen aufzugreifen, marktreif und industriefähig zu machen. Dafür investieren wir Jahr für Jahr 20 Prozent unseres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Wir haben Freude an der Innovation.

Wie gehen Sie damit um, wenn sich die Dinge anders entwickeln als geplant, nicht funktionieren oder scheitern?

Wichtig ist es, nach Rückschlägen wieder aufzustehen, sein Handeln zu überdenken und anzupassen. Aus solchen Ereignissen kann man viel lernen. Bei Pilz sehen wir den positiven Lerneffekt.

Sie sind schon viele Jahre im Familienunternehmen aktiv und übernehmen Anfang des nächsten Jahres zusammen mit ihrem Bruder Thomas Pilz die alleinige operative Führung. Inwieweit gehen Sie beide als Nachfolger das Thema Risiko anders an als die Generationen vor Ihnen?

Richtig, meine Mutter Renate Pilz, mein Bruder Thomas Pilz und ich leiten gemeinsam bereits seit über zehn Jahren das Unternehmen. Innerhalb der Geschäftsführung werden Entscheidungen grundsätzlich gemeinsam getroffen. Dabei geht es immer um die Frage, was notwendig ist, damit das Unternehmen am Markt weiter wachsen kann. Wir haben bereits vor Jahren ein Risikomanagement entwickelt, welches sich bewährt hat.

Wie schwer ist es überhaupt, als Nachfolger in einem Traditionsunternehmen wie Pilz Veränderungen voranzutreiben?

Überhaupt nicht. Unser Unternehmen hat sich immer wieder gewandelt: von der Glasbläserei in den 40er-Jahren zum Produzenten von transistor-basierten Zeitrelais in den 60er-Jahren, über industrielle Steuerungselektronik in den 70ern bis hin zum Anbieter von Industrie-4.0-fähigen Automatisierungslösungen heute. Allen Zeiten der Weiterentwicklung gemeinsam ist die Begeisterungsfähigkeit und Wandlungsfähigkeit des Unternehmens und der Mitarbeiter. Das wird auch so bleiben.

www.pilz.com

Fotostrecke

© 2017 Dr. Breitsohl Verlagsgesellschaft mbH. Alle Rechte vorbehalten. www.familienunternehmer-news.de | Website: travix-media.de