12. Familienunternehmer-Konferenz: Mutig, voll Elan und ganz anders
Zum ersten Mal fand auf der Familienunternehmer-Konferenz des Dr. Breitsohl-Verlags das Finale der von Accelerate Stuttgart initiierten Start-up Pitch Competition statt, powered by Lufthansa, unterstützt von der TAKKT AG, MBG mittelständische Beteiligungsgesellschaft und von Weissman & Cie. (Alle Fotos: Hanselmann)

12. Familienunternehmer-Konferenz: Mutig, voll Elan und ganz anders

Veranstalter und Verleger Dr. Theo Breitsohl setzte in diesem Jahr Maßstäbe. Mit dem Finale der Start-up Pitch Competition 2017 als Teil des Programms der Familienunternehmer-Konferenz stand die digitale Transformation sozusagen direkt in der Alten Stuttgarter Reithalle und wurde von den Teilnehmern begeistert empfangen. Mut, Inspiration und Aufbruch kennzeichneten die Stimmung.

Eine neue Plattform für Start-ups und Familienunternehmen

Das Tête-à-Tête zwischen Start-ups und Unternehmern begann am 13. Juli 2017 schon morgens beim Start-up Brunch im Café Felix, zu dem Etventure-Gründer und -Geschäftsführer Philipp Depiereux eingeladen hatte. Breitsohl betonte in seiner Begrüßung, dass Unternehmer den Mut zu Visionen haben und neue Wege einschlagen müssten: „Die Kinder des Internetzeitalters kommen mit neuen Ideen. Sie ticken und handeln anders. Wir Unternehmer müssen das zur Kenntnis nehmen“, sagte er. Das provokative Motto der Konferenz „Mut zum Risiko: verändern oder untergehen“, hatte Breitsohl sich selbst zu Herzen genommen und das Format seiner Konferenz gemeinsam mit seinem jungen Partner Johannes Ellenberg, Geschäftsführer von Accelerate Stuttgart, weiterentwickelt. Entstanden ist dabei eine lebendige Plattform, auf der sich junge und ältere Unternehmer, Frauen und Männer, Start-ups, Gründer, Nachfolger und Etablierte trafen und austauschten. Der Lerneffekt war auf beiden Seiten groß. Dazu trugen nicht zuletzt die Redner bei. Hubertus Porschen, Bundesvorsitzender des Verbands „Die Jungen Unternehmer“, der mit Verve Forderungen an die Politik formulierte; Dr. Bertram Kandziora, Stihl AG, der mit beeindruckender Klarheit den Weg eines Familienunternehmens in die digitale Transformation beschrieb; Prof. Dr. Arnold Weissman, Weissman & Cie., der auf den Punkt brachte, weshalb Start-ups und Familienunternehmen so gut zusammenpassen; Philipp Depiereux, Etventure, erklärte, wie sich die Kulturen annähern können; Dagmar Fritz-Kramer, Baufritz, die beleuchtete, wie die Digitalisierung die Lebenswelten der Menschen verändert.

Margit-Therese Huber vom Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU) beschrieb in ihrer Begrüßung treffend den Stand der Dinge zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen: „Der digitale Wandel ist eine gewaltige Chance für den Mittelstand. In der Zusammenarbeit mit Start-ups ist aber noch Luft nach oben.“ Auf der Familienunternehmer-Konferenz des Dr. Breitsohl-Verlags wurden viele erste Schritte getan und Vorbehalte abgebaut.

Fünf Minuten für ein Geschäftsmodell

Sechs Start-ups hatten es aus dem Wettbewerb mit insgesamt 30 Teams und drei Vorentscheidungen ins Finale geschafft. Den Konferenzteilnehmern präsentierten sie sich mit ihren Ideen in jeweils fünf Minuten, deren Einhaltung nicht nur durch eine große Sanduhr, sondern auch durch die Zuhörer kontrolliert wurde. Die Konferenzteilnehmer hatten ihren Spaß. So viel gejohlt, geklatscht und gepfiffen wurde noch selten auf einer Familienunternehmer-Konferenz wie bei der Vorstellung der Finalisten. Gleich vorneweg: Keiner der Finalisten überzog – einer schaffte es sogar, seine Geschäftsidee in weniger als fünf Minuten zu präsentieren. Moderator Johannes Ellenberg, Geschäftsführer von Accelerate Stuttgart und einer der Wegbereiter der Stuttgarter Start-up-Szene, stellte die Jury vor und erklärte deren Entscheidungskriterien: Gesamteindruck, Präsentation, Geschäftsmodell (tragfähig und skalierbar?) und Team. „Für die Start-ups bietet die Familienunternehmer-Konferenz eine großartige Möglichkeit mit der etablierten Unternehmenswelt zusammenzukommen, ihre Ideen zu präsentieren und eventuell einen Partner, Kunden oder Finanzier zu finden“, sagte Ellenberg.

Die Finalisten

Consider James: Zusammen mit Patrick Perner gründete Andreas Minich in Stuttgart einen Online-Marktplatz für kurzfristige und flexible Aushilfsjobs. 2016 machte das junge Unternehmen immerhin einen Umsatz von 265.000 Euro. „Mit unserem zweiseitigen Online-Marktplatz für Jobsuchende und Unternehmen, die Arbeitskräfte suchen, lösen wir ein Personalproblem“, beschrieb Minich. „Die Vorteile für unsere Kunden sind hohe Flexibilität, passende Kandidaten, niedrige Fixkosten und wenig Aufwand.“ Jetzt brauchen die Gründer Geld für die Ausdehnung des Geschäfts auf andere Regionen, zur Verbesserung der Plattform und für die Entwicklung einer App.

Food Oracle: Valentin Belser und Jakob Breuninger möchten mit ihrem Unternehmen etwas gegen die Verschwendung von Lebensmitteln tun. Der Fokus liegt dabei auf Großverbrauchern, die ihren Bedarf schlecht vorhersagen können. Aktuell läuft ein Pilotprojekt mit der Mensa der Universität Stuttgart. „Die Herausforderung besteht darin, dass Besucheraufkommen und die Verteilung auf die jeweiligen Tagesangebote an Gerichten schwer einzuschätzen und gleichzeitig die Vorlaufzeiten bei Bestellungen lang sind“, erklärte Belser. Die von dem Start-up entwickelte Software kombiniert intelligente Datenanalyse-Algorithmen mit relevanten Datenbanken für eine genauerer Approximation. Bei rund 500 Millionen Euro sieht Belser das Einsparpotenzial allein in Deutschland.

Hotelshop.one: Patrick Deseyve und seine beiden Mitgründer wollen das Shopping in Hotels digitalisieren und professionalisieren. „Der Gast kann mit unserer Lösung nahezu alles kaufen, was er im Hotel sieht und erlebt, bis hin zur Matratze“, erläuterte Deseyve. Das Gründerteam erstellt einen Hotelshop im Branding des Hotels. Der Gast verbindet sich mit dem Shop entweder mit dem hoteleigenen WLAN, scannt einen QR-Code oder tippt die individuelle URL in sein Gerät ein. Sind die Produkte ausgewählt und bestellt, hat er die Wahl zwischen der Direktmitnahme an der Rezeption oder einer Lieferung nach Hause. „Die Hotels machen so mehr Gewinn pro Zimmer und ihre Marke bekannter“, so der Gründer.

Licili: Lukas Kauderer und sein Mitgründer Tobias Müller haben entdeckt, dass nur 15 Prozent der Kunden den Unternehmen Verbesserungsvorschläge machen, aber 78 Prozent welche haben. Die meisten tun es nicht, weil es zu aufwändig ist und zu lange dauert. Mit ihrer Plattform wollen die beiden Gründer das Problem lösen. Verbesserungsideen können über eine App hochgeladen werden. Der User muss nur angeben, um welches Produkt und Unternehmen es sich handelt. Anschließend beschreibt er das Problem und seine Lösung. Bewertet werden die Vorschläge von Menschen, unterstützt von Algorithmen. Danach tritt Licili mit den betreffenden Firmen in Kontakt und vermittelt die Idee weiter. Jetzt möchten die Gründer weiter automatisieren und eine Community aufbauen.

Net Wächter: Swjatoslav Cicer und Yuliy Finkelstein haben sich eines drängenden Problems angenommen: Sie haben eine cloudbasierte IT-Security-Lösung namens Net Wächter entwickelt, das seit März 2017 am Markt ist. Laut der Gründer bietet sie einen Rundumschutz für Webseiten und Online-Shops gegen Angriffe aus dem Internet und überwacht diese rund um die Uhr. Zudem unterstützt das System Unternehmen bei der Einhaltung der neuen Anforderungendes IT-Sicherheitsgesetzes. Die Lösung wird im Abo angeboten. „Unser Produkt wird in Deutschland gehostet“, betonte Cicer.

Payexcell: Hinter Payexcell verbirgt sich ein auf einer  Datenbank basiertes Be- und Auszahlungssystem, das laut Mitgründer Thomas Poschen „den Branchenprimus Paypal disrupten“ soll. Das System kombiniert reale und so genannte Krypto-Währungen wie Bitcoin auf Basis einer Blockchain-Technologie auf einer einzigen Plattform. So sei es sehr einfach, massenhafte Auszahlungen in über 200 Ländern mit 150 Währungen auf Knopfdruck vorzunehmen, sagt Poschen. Die drei Gründer möchten mit ihrem Unternehmen ins B2B-Geschäft. Erste Kunden gibt es schon. Jetzt brauchen sie rund 1,5 Millionen Euro, um eine E-Money-Lizenz zu erwerben, die Software weiterzuentwickeln und Mitarbeiter einzustellen.

Die Jury

Stolz zeigte sich der Moderator über die Besetzung der Jury, der er selbst ebenfalls angehörte:

  • Dr. Hubertus Porschen, Bundesvorsitzender des Verbands „Die Jungen Unternehmer“
  • Alexander Kulitz, Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren Deutschland
  • Franz Brobald, Deutsche Lufthansa AG
  • Sascha Fritz, MGB Mittelständische Beteiligungsgesellschaft
  • Franziskus Josten, TAKKT AG
  • Prof. Dr. Arnold Weissman, Weissman & Cie.

 

Die Preise

1. Preis: Zwei Flugtickets ins Silicon Valley von Lufthansa

2. Preis: Eine komplette Büroausrüstung im Wert von 2.000 Euro von der TAKKT AG

3. Preis: Ein Scheck über 1.000 Euro von der MBG mittelständische Beteiligungsgesellschaft

Darüber hinaus stiftete das Weissman-Institut einen Sonderpreis Strategie.

And the Winner is ….

Am Abend war es dann so weit: Die Jury kehrte aus ihrer Beratung zurück. Moderator Ellenberg machte es mindestens so spannend wie die Moderatoren bei den Oscars. Zuerst überreichte Moritz Weissman, Geschäftsführer von Weissman & Cie. Valentin Belser von Food Oracle den Sonderpreis Strategie. „Die Jury war sich einig, dass Food Oracle diesen Preis verdient, weil die Gründer an unsere Umwelt denken“, sagte Moritz Weissman. Der dritte Preis ging an Payexcell und der zweite Preis an Net Wächter. Den ersten Preis erhielt Hotelshop.one. „Die Jury hat es sich nicht leicht gemacht“, sagte Ellenberg. „Das Konzept von Hotelshop.one hat in allen Kategorien am meisten überzeugt.“ Für alle Finalisten sei es eine Auszeichnung und eine Chance gewesen, ins Finale zu gelangen und sich vor über 200 Unternehmerinnen und Unternehmern zu präsentieren. 

Beim abendlichen Büfett waren die Finalisten gefragte Gesprächspartner. Unternehmerin Margot Bendl aus Günzburg sprach vielen Unternehmern aus dem Herzen als sie  sagte: „Ich bin überrascht, wie kreativ diese jungen Gründer sind und welche Ideen sie haben. Es ist eine tolle Gelegenheit, über den eigenen Horizont hinauszuschauen.“ Verleger Breitsohl stimmte zu: „Die Unternehmer können  viele Impulse und außergewöhnliche Eindrücke mitnehmen.“ (-ap)

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