Nachfolge: Mit einer Stiftung Lebenswerk und Familie erhalten
„Die Motive für die Einrichtung einer Stiftung zur Regelung der Nachfolge sind ganz unterschiedlich“, weiß Prof. Tom A. Rüsen, geschäftsführender Direktor des Wittener Instituts für Familienunternehmen an der Universität Witten/Herdecke. Foto: Shutterstock

Nachfolge: Mit einer Stiftung Lebenswerk und Familie erhalten

Deutschland ist sehr stiftungsfreudig. Und auch immer mehr Unternehmen entscheiden sich für eine Stiftung als Nachfolgemodell. Kein Wunder, lassen sich damit doch gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Stiftungen lag die Zahl der rechtsfähigen Stiftungen Anfang des Jahres hierzulande bei über 21.800 Stiftungen. Deutschland gehört damit zu den stiftungsreichsten Ländern Europas, Tendenz weiter steigend.

Streitigkeiten vermeiden

„Die Motive für die Einrichtung einer Stiftung zur Regelung der Nachfolge sind ganz unterschiedlich“, weiß Prof. Tom A. Rüsen, geschäftsführender Direktor des Wittener Instituts für Familienunternehmen an der Universität Witten/Herdecke, und ergänzt: „Der eine Unternehmer möchte sein Lebenswerk als Ganzes erhalten, bestimmen, wie das eingebrachte Vermögen nach seinem Tod verwendet wird. Ein anderer ist bestrebt, den Verkauf des Unternehmens zu verhindern und den Firmennamen zu erhalten.“ Sinnvoll sei diese Lösung sowohl für Unternehmer ohne Kinder als auch in Fällen mit vielen Gesellschaftern, die mit der Einrichtung einer Stiftung daran gehindert werden sollen, ihre Anteile zu veräußern. Steht kein Nachwuchs bereit, empfiehlt Prof. Rüsen eine Unternehmerträger-Stiftung, deren Zweck sich ausschließlich auf die Belange des Unternehmens konzentriert. Dabei wird das Unternehmen in die Stiftung eingebracht und durch diese als Eigentümer geführt betrieben. Denkbar sei auch eine Doppelstiftung, die aus einer gemeinnützigen Stiftung besteht, die die Mehrheit der Bezugsrechte am Unternehmen hält, und einer Familienstiftung, die über die Mehrheit der Stimmrechte verfügt.

Eine Familienstiftung, die keinen gemeinnützigen, sondern ausschließlich einen unternehmensinternen Zweck verfolgt, ist laut dem Experten eine interessante Option, wenn mehrere Kinder als Erben bereitstehen, aber keines die operative Führung des Unternehmens übernehmen möchte und dennoch alle vom Unternehmen profitieren sollen. „Erben verfolgen nur selten die gleichen Interessen. Je größer ihre Zahl, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Streitigkeiten kommt. Mit einer entsprechend eingerichteten Stiftung lassen sich mögliche Interessenkonflikte oder Erbstreitigkeiten, die im Ernstfall zur Zersplitterung oder gar zur kompletten Zerstörung des Unternehmens führen könnten, vermeiden“, so Prof. Rüsens Tipp. Der Stifter habe es in der Hand, dass er und alle Nachkommen gleichermaßen aus der Stiftung einen finanziellen Nutzen ziehen. „Er hat die Möglichkeit, zum Beispiel über die Satzung zu regeln, dass er, die Kinder oder andere Familienangehörige jedes Jahr Zuwendungen in einer bestimmten Höhe bekommen oder Geld für bestimmte Notsituationen wie Operationen, aber auch Familienfeste oder ein Studium aus dem Stiftungsvermögen zur Verfügung gestellt wird.“

Kein Steuersparmodell

Da bei einer Familienstiftung keine Gemeinnützigkeit vorliegt, ist die Familienstiftung aber kein Steuersparmodell. Es fallen für alle Zuwendungen von Seiten des Unternehmers an die Stiftung Erbschaft- und Schenkungsteuer an. Für Auszahlungen an Begünstigte ist eine Abgeltungsteuer fällig. Zudem unterliegt die Familienstiftung der so genannten Erbersatzsteuer. Heißt: Alle 30 Jahre wird ein Erbfall fingiert und die Stiftung dementsprechend besteuert. „Das ist aber gut planbar und die Ausschüttungspolitik lässt sich so gestalten, dass dafür genügend Geld in der Stiftung vorhanden ist“, unterstreicht Prof. Rüsen.

Schlüsselpositionen passend besetzen

Wer eine Stiftung einrichten möchte, muss sich auch darüber Gedanken machen, wie die Geschäftsordnung der Stiftung aussehen soll und mit welchen Personen die Schlüsselpositionen, etwa der Stiftungsvorstand, Stiftungsrat sowie die Geschäftsführung besetzt werden. Die meisten Entscheidungen fällen die beiden erstgenannten, die Geschäftsführung kümmert sich in aller Regel dagegen ums laufende Geschäft der Stiftung. „Der Unternehmer sollte, wenn er den Vorstand mit Familienangehörigen besetzt, darauf achten, in die anderen Gremien externe Personen zu berufen oder umgekehrt“, betont Prof. Rüsen. „Sitzt der Unternehmer selbst im Stiftungsvorstand, muss rechtzeitig geklärt werden, wer nach seinem Tod diese Position einnimmt.“ Ein entscheidendes Kriterium bei der Besetzung der Schlüsselpositionen sei aber die Kompetenz. Sei das erforderliche Fachwissen bei Familienangehörigen nicht vorhanden, eine Stiftung führen beziehungsweise begleiten zu können, sollte der Unternehmer in erster Linie auf familienfremde, fachlich qualifizierte Organmitglieder setzen. Die Einflussnahme des Stifters zu Lebzeiten und seiner Familie lasse sich auch über einen Stiftungsbeirat regeln, der von Seiten des Stifters mit entsprechenden Befugnissen ausgestattet werden könne.

Fallstricke rechtzeitig vermeiden

Jedem, der eine Stiftung als Nachfolgemodell einrichten möchte, empfiehlt Prof. Rüsen, frühzeitig darüber mit seinen Kindern beziehungsweise seiner Familie zu reden und alle von Anfang an in den Entscheidungsprozess einzubeziehen. Denn für viele Kinder und Familienangehörige komme eine solche Entscheidung auf den ersten Blick einer Entmachtung und Enterbung gleich, was in einen großen Konflikt münden könne, weiß der Experte. Daher sei der Unternehmer gefordert, rechtzeitig alle Beteiligten über seine Beweggründe zu informieren und diese eventuell in einer Familienverfassung zu verankern. Was man sich zudem immer wieder bewusst machen sollte, ist, dass eine Stiftung für die Ewigkeit ist. Daraus kann sich eine weitere Problematik für das Unternehmen ergeben. „Ist der Stiftungszweck zu eng gefasst, wird das Instrument der Stiftung mittel- und langfristig zu unflexibel und man ist irgendwann vielleicht nicht mehr in der Lage, auf Veränderungen reagieren zu können, die das Unternehmen in seinem Bestand bedrohen.“ Da lohne sich der Austausch mit anderen Unternehmern, die bereits eine Stiftung eingerichtet haben. (-hf)

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