Mit App und Kreditkarte: Start-up erleichtert Mitarbeitermotivation
Die Lunchit-App ersetzt den Essensgutschein. Verträge mit Restaurants sind nicht mehr nötig.

Mit App und Kreditkarte: Start-up erleichtert Mitarbeitermotivation

Essensgutscheine schränken die Möglichkeiten der Mitarbeiter ein, weil sie immer nur für einige wenige Restaurants gelten. Andere Zuwendungen des Arbeitgebers, zum Beispiel zum Geburtstag oder Jubiläen, finden nicht immer den Beifall der Beschenkten. Jetzt gibt es zeitgemäße Alternativen. Die Spendit AG aus München hat sich der Sache angenommen und eine App und eine Kreditkarte  entwickelt, die es Arbeitgebern ermöglicht, ihre Mitarbeiter sowohl beim Mittagessen als auch bei der Verwendung sonstiger Zuwendungen ihre eigene Wahl treffen zu lassen. Für den Arbeitgeber sind Aufwand und Kosten gering.

Dr. Ralph Meyer, einer der Gründer und früher Unternehmensberater, weiß aus Erfahrung, dass die Mitarbeiterbindung angesichts des Fachkräftemangels eine immer größere Rolle spielt: „Die Spendit AG hilft Unternehmen mit digitalen ‚Benefits‘, die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu steigern, sie an das Unternehmen zu binden, sich als Top-Arbeitgeber zu positionieren und damit nachhaltig erfolgreich zu sein. Dabei machen wir es beiden Seiten leicht: Ein Unternehmen mit 100 Mitarbeitern ist nach zehn Minuten mit der Anmeldung für Lunchit durch und die Mitarbeiter können noch am gleichen Tag den Zuschuss der Firma zum Mittagessen in Anspruch nehmen – bequem über die App.“

Steuerliche Möglichkeiten nutzen

Jedes Unternehmen kann seinen Mitarbeitern pro Monat 44 Euro steuerfrei zukommen lassen, das sind 528 Euro im Jahr. Zu bestimmten Gelegenheiten wie Geburtstag oder Hochzeit sind 60 Euro möglich. Das Start-up gibt zusammen mit seinem Bankpartner eine Prepaid-Kreditkarte heraus, auf die der Arbeitgeber die Beträge, die er möchte, laden kann. Der Mitarbeiter kann mit der Karte weltweit bezahlen wie mit einer „normalen“ Kreditkarte. Im Ausland muss er nicht einmal Gebühren zahlen. Lediglich Geld abheben oder überweisen kann er nicht. „Im Grunde ist die Karte ein weltweit gültiger Universalgutschein, über dessen Einsatz der Mitarbeiter selbst entscheiden kann“, sagt Meyer. „Der Arbeitgeber bezahlt die Jahresgebühr von 40 Euro. Das ist wesentlich günstiger als eine Lohnerhöhung von 528 Euro mit den dazu gehörigen Steuern und Sozialabgaben. Außerdem wird eine Lohnerhöhung schnell normal, während die Karte bei jedem Einsatz etwas Besonderes, eine positive und wertschätzende Geste ist. Darüber hinaus kann der Arbeitgeber die Karten nicht nur mit dem Firmenlogo versehen, sondern mit einem eigenen Design ausstatten.“

Alles nicht so einfach

Seit 2015 gibt es als zweites Produkt des Start-ups die „Lunchit-App“. Sie ersetzt die aus den 1970er-Jahren stammenden Essensgutscheine, die Firmen ohne Kantine häufig an ihre Mitarbeiter ausgeben. Der Vorteil: Für die App braucht es keine Verträge mehr mit bestimmten Restaurants. Der Mitarbeiter kann überall essen gehen, in der Imbissbude ebenso wie im Sterne-Restaurant. Er muss lediglich den Beleg fotografieren und über die App hochladen. Der Rest läuft automatisch ab. Mit der nächsten Gehaltsabrechnung wird pro eingereichtem Beleg der steuerfreie Zuschuss von 6,27 Euro überwiesen. Meyer schmunzelt, wenn er an die Entwicklung der App denkt: „Das Schwierigste war die Änderung der Lohnsteuerrichtlinie. Es hat 18 Monate gedauert, bis wir die Änderung erwirken konnten. Wir mussten sicherstellen, dass die elektronischen Belege ohne Akzeptanzgeber anerkannt werden. Im Februar 2016 war es dann endlich so weit und wir konnten starten.“ Die Idee zur App  testete das Start-up übrigens bei einem Hackathon-Wettbewerb, den es dann auch prompt  gewann.

Lohnerhöhung ohne Nebenkosten

Meyer und sein Mitgründer Florian Gottschaller, früher im Sondermaschinenbau tätig, hatten sich über ein Beratungsprojekt kennengelernt. Sie waren sich sympathisch und trafen sich alle sechs Wochen, um darüber nachzudenken, womit man sich denn gemeinsam selbstständig machen könnte. Dann kam ihnen der Zufall zu Hilfe. „Ein Bekannter sprach immer mal wieder über steuerrechtliche Fragen. Uns war beiden klar, dass die Ressource Mitarbeiter schon heute knapp ist und es früher oder später zu einer Krise kommen wird, zumindest in Europa. Mitarbeiterbindung wird immer wichtiger werden, aber viele kleinere Unternehmen tun sich schwer Mitarbeiter zu bekommen, weil sie die Löhne mit den hohen Lohnnebenkosten nicht bezahlen können. Also begannen wir, über andere Instrumente nachzudenken“, erzählen die beiden 43-jährigen Gründer. Am 24. März 2014 wurde dann die Spendit AG gegründet, nur ein halbes Jahr, nachdem die erste Idee entstanden war. „Wir gingen nach Lean-Start-up-Methoden vor“, erzählt Meyer. „Wir brachten ein MVP mit minimalstem Aufwand in den Vertrieb und verbesserten es  aufgrund des Feedbacks.“ Heute verwenden bereits 1.700 Firmenkunden die Karte. Etwa 70 neue Karten werden pro Tag ausgegeben, was vier bis fünf neue Firmenkunden täglich bedeutet. Bei der Lunchit-App kommen pro Tag zwei bis drei neue Firmenkunden hinzu.

Voll digital

Die beiden Gründer setzten von Anfang an auf die Digitalisierung, „obwohl wir selbst nicht viel  Ahnung haben“, wie Meyer sagt. „Manchmal ist das ein Vorteil, manchmal ein Nachteil. Inzwischen sind zwei Drittel unserer Mitarbeiter Entwickler und Techniker.“ In den Büros des Start-ups gibt es weder Papier noch Excellisten und auch kein Fax. „Unsere Mitarbeiter arbeiten autonom, sie können das meiste besser als wir Vorstände. Es ist unglaublich, welche großartigen Initiativen hier gestartet werden. Wir vertrauen auf die Kompetenz unserer Mitarbeiter. Ich muss nichts weiter tun als sie in Ruhe arbeiten lassen“, sagt Meyer. „Ich kann gut Menschen begeistern oder eine Finanzierung beschaffen, aber ich habe keine Ahnung von IT. Doch das halte ich auch nicht für notwendig. Die Aufgabe eines Gründers ist es, am und nicht im Unternehmen zu arbeiten. Das gelingt viel besser, seit wir eine zweite Führungsebene eingezogen haben, die über fachliche Kompetenz verfügt und uns entlastet.“

Das Unternehmen gehört heute zu 80 Prozent den Gründern. Hinter den restlichen 20 Prozent stehen drei Unternehmer und ein Family Office. „Wir verstehen uns als Dienstleister für Unternehmer und Unternehmen im HR-Bereich“, sagt Meyer. „Es ist ein Glücksfall, dass wir anderen Unternehmen Lösungen für ein immer drängenderes Problem anbieten können. Marktpotenzial ist genug da. Es gibt allein in Deutschland über drei Millionen steuerpflichtige Unternehmen. Im Gespräch mit den Unternehmern entdecken wir weitere Felder, in denen wir die HR-Arbeit unterstützen können. Und persönlich empfinde ich jedes Gespräch mit den Unternehmern als eine Bereicherung.“

www.spendit.de

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