Volks- und Raiffeisenbanken: Mehr Kredite an Unternehmen vergeben
Dr. Roman Glaser, Präsident des baden-württembergischen Genossenschaftsverbandes, sieht die Volks- und Raiffeisenbanken dank einer soliden Kernkapitalquote gut für die Zukunft aufgestellt. Vor allem das Beratungsgeschäft soll weiter massiv ausgebaut und die digitalen Zugangswege zur Bank verfeinert werden. Foto: BWGV

Volks- und Raiffeisenbanken: Mehr Kredite an Unternehmen vergeben

Die Volks- und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg konnten im vergangenen Jahr sowohl bei den Einlagen als auch bei den Krediten an Privatpersonen und Unternehmen Zuwächse von jeweils zwischen vier und fünf Prozent verzeichnen. Die Zahl der Mitglieder stieg um 45.000 auf 3,73 Millionen. „Der Zinsüberschuss im Land ist durch die extreme und lang anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) um 3,2 Prozent gesunken“, sagte der Präsident des baden-württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV), Dr. Roman Glaser, bei der Vorstellung der Bilanzergebnisse.

Zahl der Filialen rückläufig

Die Zahl der genossenschaftlichen Kreditinstitute in Baden-Württemberg ist mit 193 erstmals unter die 200er-Marke gefallen. Insgesamt gab es 2016 elf Fusionen, weitere zwölf sind laut Glaser im laufenden Jahr geplant. Zudem verzeichnete man bei der Zahl der Filialen, zu denen auch SB-Stellen zählen, ein Rückgang um 133. Mit 23.433 Mitarbeitern ging deren Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 304 zurück. Aktuell arbeiten 2.157 Auszubildende bei den Instituten, was einer Azubi-Quote von gut neun Prozent entspricht. Glaser rechnet aber damit, dass der Personalbestand insgesamt sowie die Zahl der Auszubildenden etwa aufgrund der zunehmenden Digitalisierung mittel- und langfristig zurückgehen werden. „Wir müssen uns ertrags- und kostenmäßig auf die teils kräftigen Umwälzungen am Markt einstellen“, so der BWGV-Präsident und ergänzte: „Wir sind und bleiben aber die verlässlichen und fairen Finanzpartner für die Menschen und mittelständischen Unternehmen vor Ort – besonders auch in schwierigeren Zeiten. Wir sorgen für Wertschöpfung in den Regionen und werden unserer realwirtschaftlichen Verantwortung aus voller Überzeugung gerecht.“ Die Volks- und Raiffeisenbanken seien eine zentrale Stütze für die mittelständische Wirtschaft in Baden-Württemberg. Das würde auch die Zunahme der Kredite an Unternehmen mit einem Plus von vier Prozent auf 34,9 Milliarden Euro zeigen.

Klare Absage an europäische Einlagensicherung

Der BWGV-Präsident wiederholte seine Kritik an den Plänen zur europäischen Einlagensicherung. Die Europäische Kommission und alle, die ihr in dieser Frage folgten, würden das Vertrauen der Sparer aufs Spiel setzen. Mit einer europäischen Einlagensicherung müssten die Volks- und Raiffeisenbanken und deren Kunden für andere europäische Banken mit ihren zum Teil riskanten Geschäftsmodellen haften. Ähnliches Ungemach fürchtet Glaser durch die Bankenregulierung. „Hier sprechen wir uns vehement für die konsequente Rückkehr zu einer Politik mit mehr Augenmaß aus.“ Gerade die verlässlichen kleinen und mittleren Institute mit ihren regionalen und seriösen Geschäftsmodellen dürften nicht durch übertriebene bürokratische Belastungen, die zunehmend auch deren Kunden belasten würden, in Schwierigkeiten gebracht werden. „Wir fordern eine eindeutige Differenzierung in der Regulatorik zwischen systemrelevanten Großbanken und kleinen, ausschließlich regional tätigen Instituten“, betonte Glaser. 

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