Umfrage: Unternehmer nehmen ihre Macht unterschiedlich wahr
Unternehmer und Unternehmerinnen nehmen zum Thema Macht Stellung: (obere Reihe von links) Michael Rampf, Matthias Kelch, Felix Adelmann, Helmut von Stackelberg, Michael von Resch, (untere Reihe von links) Sarah Maier, Wolf R. Hirschmann, Matthias Rampf, Johannes Ellenberg, Prof. Dr. Marco Mevius

Umfrage: Unternehmer nehmen ihre Macht unterschiedlich wahr

Die Redaktion von Familienunternehmer-News.de bat Unternehmerinnen und Unternehmer, die Frage „wie nehmen Sie Ihre Macht als Unternehmer wahr und wie üben Sie sie aus?“ zu beantworten. Die Antworten fielen sehr unterschiedlich aus, doch in der Tendenz ähnlich: Macht bedeutet, Aufgaben anzugehen und abzuschließen. Dabei setzen die Unternehmer auf Überzeugung.

 

„Zugegeben, Macht ist ein Werkzeug – je nach Art des Einsatzes und der persönlichen Einstellung lässt sich damit sowohl Negatives wie auch Positives bewirken. Persönlich bin ich der Meinung, dass derjenige, der in einem Unternehmen die Macht hat, etwas durchzusetzen beziehungsweise zu verhindern, wirklich viel von dem verstehen sollte, worum es geht. Da man aber nicht allwissend ist, braucht es eine Kultur der Kommunikation, um zuzuhören, zu lernen und auch um abweichenden Meinungen einen Raum für eine informative und konstruktive Auseinandersetzung zu geben. Für mich gilt: Machtmissbrauch ist wie der blinde Gehorsam – aber auch wie Harmoniefantasien – für die notwendige Weiterentwicklung von Firmen tödlich. Ich setze auf ein gemeinsames Werteverständnis, auf Offenheit, Tatkraft, Fantasie und Mut. Diese Mischung garantiert eine positive, machtvolle Wirkung‘.“ Wolf Hirschmann, Geschäftsführer der Slogan Strategieberatung Marketing Vertrieb GmbH

 

„Als Unternehmer üben wir keine Macht aus. Unsere Mitarbeiter erwarten von uns Führungsstärke, unsere Kunden sachliche und fachliche Kompetenz und unsere Geschäftspartner einen vertrauensvollen und fairen Umgang.“ Matthias und Michael Rampf (v.l.), geschäftsführende Gesellschafter der Rampf Holding GmbH & Co. KG

 

„Ich bin ein großer Freund flacher Hierarchien. Nicht nur, weil es für die Mitarbeiter motivierend ist, selbst Prozesse gestalten und Entscheidungen treffen zu können, sondern auch aus pragmatischer Sicht: Was erledigt ist, ist erledigt. Und solange die Dinge laufen und sich die Mitarbeiter selbst organisieren, bin ich hochzufrieden. Ich verstehe Chefs nicht, die sich beispielsweise in die Urlaubsplanung der Mitarbeiter einmischen – die Vertretungen usw. müssen sowieso untereinander geklärt werden. Von so etwas erfahre ich im Regelfall also nur aus dem Kalender. Selbstverständlich gilt das nicht für alle Bereiche. Aber durch gute Kommunikation untereinander und regelmäßige ,Jour fixe‘ kommen alle Dinge, die ich entscheiden muss oder soll, zu mir. Hierfür braucht es keine definierten Bereiche, wer was entscheidet. Im Zweifel stimmt man sich einfach ab. Wie sagte es Laotse: ‚Wer Leute führen will, muss hinter ihnen gehen.‘“ Felix Adelmann, Geschäftsführer des Weinguts Graf Adelmann

 

„Es ist ein großes Privileg als Unternehmer mit Menschen, Kunden und Mitarbeitern, gemeinsam Visionen in konkrete Innovationen am Markt zu übertragen. Das erfolgreiche Lenken dieses Prozesses fordert Mut, Initiative und viel Phantasie. Und das Ringen um die Sache ist der Versuch, die eigenen Ideen durchzusetzen. ‚Machtkämpfe‘ sind aus meiner Sicht also positiv. Notwendige Reibungspunkte bestehend aus These, Antithese und Synthese. Es geht letztlich immer darum, bei unseren Kunden handfeste Mehrwerte zu generieren. Wenn daraus vertrauensvolle und langfristige Kundenbeziehungen entstehen, empfinde ich dies als größte Befriedigung als Unternehmer.“ Prof. Dr. Marco Mevius, Gründer und Head of Innovation, Bamero AG

 

„Die Macht als Unternehmer ist Chance und Verantwortung zugleich. Die Chance bedeutet, eigene Ideen und für richtig Befundenes um- und gegebenenfalls auch gegen Widerstände durchzusetzen. Verantwortung heißt, mit dieser Macht sorgsam umzugehen und die Auswirkungen des Handelns auf die betroffenen Menschen, das Unternehmen und die Umwelt sorgfältig abzuwägen. Allerdings wird die Macht als Unternehmer meist überschätzt. Gerade auch der Unternehmer kann immer nur etwas bewirken, wenn er andere für seine Ideen gewinnen kann.“ Matthias Kelch, geschäftsführender Gesellschafter der KPTEC Group GmbH

 

„Ich halte es mit dem Machtbegriff sehr wörtlich. Was mich wirklich motiviert – und was folglich meinen Tagesablauf weitestgehend bestimmt – ist es, Dinge zu kreieren, Abläufe zu gestalten, Ideen zu spinnen, alles schnell umzusetzen. Eine Idee, die drei Monate alt ist, interessiert mich schon fast nicht mehr. Meine Mitarbeiter sind das gewohnt, sie lieben unseren schnellen Schritt und leben einen sehr hohen Freiheitsgrad, wie sie unsere Themen umsetzen. Impulse oder Kritik zu meinen ‚Machenschaften‘ sind willkommen und oft setze ich Verbesserungsvorschläge von meinen Mitarbeitern genauso schnell um wie meine eigenen. Ich empfinde mich in meinem Führungsstil also als Macherin, nicht als Machthaberin. Vielleicht liegt das auch an meiner Branche: Wohn- oder Arbeitsumfelder gestalten, deren Realisation zeitnah begleiten, und dann sehen, wie zufrieden, gar glücklich unsere Kunden mit dem Ergebnis jeden Tag sind, das ist einfach eine Sache, die weder hierarchisch noch nach strengen Regeln erfolgen kann." Sarah Maier, Geschäftsführerin Sarah Maier Handgewerke GmbH

 

„Für mich war Macht niemals ein Instrument der Führung. Kein vernünftiger Mensch würde die PS-Stärke seines Autos als Garant für sicheres Reisen von A nach B betrachten. Macht darf aus meiner Sicht eine abstrakte Größe bleiben, die existiert, aber sich nicht zur Führungspraxis an sich eignet. Ich bin viele Jahre gut damit gefahren, dass ich auch der zweiten Führungsebene meine drei Säulen der Führung vermittelt habe: Kompetenz, Verantwortung und Empathie. Idealerweise hat der Chef immer die Kenntnisse der nächsten Ebene, um deren Erfolg (oder auch Misserfolg) korrekt beurteilen zu können. Dass er sein Unternehmen und seine Mitarbeiter verantwortungsvoll in jeder Hinsicht führt, ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Und die Empathie? Ich betrachte sie als Katalysator, als Schmiermittel, als Dünger für das Gelingen von Führung und vor allem dafür, dass meine Führungsphilosophie erfolgreich in die nächsten Ebenen diffundiert ist. Wenn ich weiß, ob sich mein Abteilungsleiter, der Arbeiter in der Fertigung oder die Büroassistentin wohl fühlen oder nicht, dann ist das ein Wissen, das mir bei der Entscheidung, welchen Kurs das Unternehmen einschlagen soll, um von A nach B zu kommen, recht nützlich ist. Kurz gesagt: Zuhören können verleiht Macht.“ Helmut von Stackelberg, Unternehmer im Ruhestand

 

„Wer Macht benötigt um zu führen, kann nie mit dem vollen Einsatz seiner Mitarbeiter rechnen. Ich persönlich pflege einen bewusst nicht autoritären Führungsstil und bin fest davon überzeugt, dass eine starke Identifikation mit dem Unternehmen – und damit einhergehend überdurchschnittliche Leistungen – nur über eine starke und gelebte Vision möglich ist. Die einzige Macht im Unternehmen sollte von einem klar formulierten ,Warum‘ ausgehen, dem Grund, warum es ein Unternehmen gibt. Die wichtigste Aufgabe jeder Führungskraft ist es, dafür zu sorgen, dass das Warum nicht verloren geht und jederzeit allen Mitarbeitern bewusst ist.“ Johannes Ellenberg, Gründer und Geschäftsführer der Accelerate Stuttgart GmbH

 

„Als Eigentümer eines Unternehmens ist für mich Macht bei der Durchsetzung von Entscheidungen bei Sachthemen relevant. Allerdings ist Macht dabei nur zweite Wahl. Es ist besser, durch Argumente zu überzeugen. Wenn ich Macht einsetzen muss, ist mir das nicht gelungen und ich muss Druck aufbauen, um Entscheidungen durchzusetzen. Das ist schlecht für die Motivation der Mitarbeiter, kann aber in manchen Fällen auch der Konfliktvermeidung dienen. Ich bemühe mich, den Einsatz von Macht zu beschränken und sie nicht zu missbrauchen. Macht hilft bei der Durchsetzung von Lösungen, hindert aber bei der Findung von Lösungen. Keinesfalls sollte Macht einem Unternehmer zur Bestätigung des eigenen Egos dienen.“ Michael von Resch, geschäftsführender Gesellschafter der Gretsch-Unitas GmbH

Lesen Sie mehr zum Thema Macht in der März-Ausgabe des Familienunternehmer-Magazins DIE NEWS.

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