Unternehmer-Kommentar: Digitalisierung? Wagen statt warten!
Ulrich Dietz ist Vorstandsvorsitzender des internationalen IT-Dienstleisters GFT Technologies SE mit Hauptsitz in Stuttgart und Initiator von CODE_n, dem globalen Ökosystem für digitale Pioniere.

Unternehmer-Kommentar: Digitalisierung? Wagen statt warten!

Die Digitalisierung ist kein kurzfristiger Hype. Unsere Gesellschaft wird sich in allen Lebensbereichen verändern und schreitet dynamisch voran und stellt weltweit ganze Branchen auf den Kopf. Wer glaubt, er könne diesem Trend entkommen, wird am Ende leer ausgehen.

Von Ulrich Dietz, GFT Technologies

Im Rahmen einer Studie der Mittelstandsinitiative hat TNS Infratest 4.000 Führungskräfte befragt. Das erstaunliche Ergebnis: Die Mehrheit hat das Potenzial der Digitalisierung zwar erkannt, beschreibt sich selbst aber als abwartend. Zwei von drei Befragten räumen sogar ein, die Digitalisierung zu vernachlässigen. Immerhin 60 Prozent glauben, dass der Wandel mehr Arbeitsplätze in Deutschland hervorbringen wird. Ist dieses Ergebnis nicht ein Paradoxon? Kostenreduktion und Effizienzsteigerung haben höhere Priorität als Investitionen in Wachstum und Innovation. Ein Irrglaube.

Die GFT Technologies hat sich bisweilen alle zehn Jahre neu erfunden. Gestartet als Experten für CAD-Systeme wandelten wir uns zum Internet-Spezialisten und entwickeln sowie betreiben heute maßgefertigte IT-Systeme für die Finanzindustrie. Der Wandel ist Normalität. Wie Unternehmen technologische Innovation und den damit einhergehenden digitalen Wandel selbst initiieren und für sich nutzen können, zeigt auch ein Handelsunternehmen für Stahl, die Firma Klöckner. Warum? Konservativer könnte eine Branche kaum sein – Stahlhandel per Fax oder Telefon ist nach wie vor internationaler Standard. Trotzdem hat Klöckner eine Innovationsabteilung aufgebaut, die das eigene Geschäftsmodell konsequent in Frage stellt. Ein erstes Resultat ist eine offene Plattform für den globalen Online-Handel. Nachfrage und Angebot werden erstmals abgeglichen. Produziert wird also nur noch, was auch nachgefragt ist. Das spart Kosten und ist effizient. Die Produktion an sich tritt immer mehr in den Hintergrund, Plattformen und Datenhoheit dagegen sind essentiell – Klöckner hat das verstanden.

Daten sind das neue Öl

Deutschland zählt wahrlich nicht zu den großen Ölproduzenten dieser Welt und scheint auch beim Thema „Big Data“ nur wenige Ambitionen zu haben. Wir überlassen die Nutzung der wertvollsten Ressource lieber anderen; bevorzugt US-amerikanischen Firmen. Das müssen wir ändern. Daten intern zu nutzen ist das eine, aber damit Geld zu verdienen ist das andere. Google’s Tochterunternehmen Nest zeigt, wie’s geht: Der Fokus liegt nicht auf der Gewinnmarge beim Verkauf der intelligenten Thermostate, sondern auf dem daraus resultierenden Geschäft mit den Kundendaten. 

Geschwindigkeit ist das A und O

Die Digitalisierung verlangt neues Denken von uns: Gefragt ist Geschwindigkeit. Entscheidend dafür ist die Unternehmenskultur, ein Denken ohne Geländer. Lassen Sie beispielsweise die junge Generation ein Startup außerhalb der eigenen vier Wände gründen. Inspirieren Sie den Nachwuchs, Produkte und Handlungsweisen zu hinterfragen und neu zu denken. Kooperieren Sie mit Hochschulen sowie jungen Startup-Unternehmen und laden Sie Querdenker zu ihren Besprechungen ein; also Menschen, die so gar nicht das denken, was Ihre Firma verkörpert. Mit der GFT-Innovationsplattform „CODE_n“ setzen wir dort an, unterstützen mit einem weltweiten Netzwerk und verbinden ambitionierte Pioniere der digitalen Welt mit etablierten Unternehmen. Packen Sie es an – es ist Ihre Chance!

Checkliste für das „Denken ohne Geländer“: 

  • Die richtigen Mitarbeiter finden
  • Das Unangepasste zulassen
  • Neue Innovationsquellen finden und nutzen
  • Mut zur Veränderung zeigen
  • Den digitalen Wandel in der Geschäftsführung vorleben
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