Management-Rede und -Präsentation sollen beflügeln
Gastautor Malte W. Wilkes ist Unternehmensberater, erfolgreicher Buchautor und gefragter Business-Redner.

Management-Rede und -Präsentation sollen beflügeln

Eine Rede von Inhabern und Managern soll inspirieren und beflügeln. Bei dieser Zielsetzung sind sich alle Unternehmer einig. Doch wen muss man eigentlich genau informieren und motivieren? Nach meiner Erfahrung wird man immer wieder vier Zielgruppen vor sich haben: (1) Kunden (2) Mitarbeiter (3) Kreditgeber (Banken) und Investoren sowie (4) die Presse. Und obwohl man das Reden vor Publikum - ob vor Dreien oder ein paar Hundert - nicht wirklich gelernt hat,  steht es manchmal Spitz auf Knopf. 

Die Jahrestagung oder die Vertriebstagung giert nach den Worten des Chefs. Die Bank will in der Restrukturierung und der Krise die Zukunft erklärt haben. Die Presse lässt sich mit dem Gestotter, dass man nicht genau weiß, was passiert ist, nicht abspeisen. Und Kundentagungen funktionieren sowie nur sehr gut, wenn ein hoch in der Hierarchie Stehender etwas Kluges sagt: Über die Zukunft der Branche, die Zukunft der Kunden der Kunden, Industrie 4.0... Da kann man leicht ins Stottern kommen.

Dabei basiert eine Rede nicht auf einem Rede-Gen oder einem Rede-Talent, sondern auf Redehandwerk. So wie man das Handwerkzeug der Betriebswirtschaft, das als Ingenieur usw. kennen muss, um gut zu sein, so gilt das auch für die Rede-Kommunikation.

Sieben Tipps, die Sie für sich prüfen sollten

  1. Suchen Sie sich Ihr Handwerkzeugs zusammen: eine Toolbox

Ob selbst auf (elektronische) Kärtchen im Karteikasten zusammengestellt oder ein Buch, das ist nicht entscheidend. Aber Sie sollten für bestimmte Vorträge oder Reden, für bestimmte Anlässe usw. unbedingt etwas nachschlagen können. Stichworte wie Redepfade, Redeeinstieg, Redeabschluss oder wie Beruhigung, Bühnennutzung, Mikrofon…

  1. Üben Sie bei jeder neuen Rede ein bis zwei Dinge, die Sie noch nicht so gut beherrschen

In der Regel wird das der Zuhörer in einer Gesamtrede nicht bemerken, jedoch erweitert der Redner mit jeder Rede sein Mittel-Repertoire. Das tatsächliche Training für eine Führungskraft liegt also im Alltag.

  1. Schreiben Sie, wenn Sie Ihre Rede konzipieren, die Botschaft auf, die der Zuhörer lernen soll

Machen Sie bei diesem Satz keine Kompromisse, setzen Sie keine Konjunktive. Diesen Satz müssen Sie wirklich auswendig lernen. Er muss relevant sein, überzeugend, stimmig und plausibel zu Ihrer Situation. „Wachstum werden wir durch ein neues Kundenportfolio-Management innerhalb von 12 Monaten erreichen.“ Sie werden es nicht „anstreben“. Sie werden nicht „irgendwann“ punkten. Und Sie sollten nicht vage über Ihre „Markenstärke“ sondern über ein konkretes, modernes Customer Centricity-Konzept sprechen, wenn es um Wachstum geht.     

  1. Teilen Sie Ihre Rede zunächst in drei Abschnitte

Wie in der Schule ein Aufsatz hat eine Rede mindestens den Dreiklang: Einleitung, Hauptteil, Schluss. Ob Sie nun Ihre Hauptbotschaft an den Anfang stellen und danach den Weg dorthin aufzeigen, oder an das Ende und vorne die dramatische Situation und den Lösungsweg aufnehmen, ist Ihrer Dramaturgie vorbehalten.

  1. Glauben Sie nicht, dass jede Rede Humor haben muss  

Mit etwas (!) Humor geht es natürlich meistens besser. Am Schluss ein Lacher entspannt. „Vor 120 Jahren hat mein UrUrUr-Großonkel unser Unternehmen gegründet. Wie Sie bemerkt haben – habe ich doch glatt jetzt übernommen.“ Etwas Selbstironie geht immer und verletzt niemanden. Doch Sie sind kein Comedian. Humor in einer Rede, wo die Mitarbeiter um Entlassungen bangen, sollte man beherrschen und sonst lieber mit den Fakten nicht geizen und bei der Wahrheit bleiben.

  1. Lassen Sie sich eine Rede ruhig schreiben

Reden kann man sich schreiben lassen. Präsentation können Könner für Sie erstellen. Ich spreche nicht von denen, die eine PowerPoint technisch füllen. Ihr Redenschreiber muss Ihre Botschaft und die Argumentation, Ihren Charakter und Ihre Redestilistik und letztlich sogar Ihren Sprachrhythmus kennen. Redenschreiber sollten also nicht nur das Handwerkzeugs einer Rede kennen, sondern auch Sie, das Managementthema und Ihre Botschaft verstehen. Aber lesen Sie diese Rede niemals einfach ab. Schreiben Sie sie um, ergänzen Sie sie – so wie alle guten Redner: Willy Brand, Helmut Schmidt, John F. Kennedy. Doch auch wer seine Rede selber konzipiert und schreibt, wird in der Rede live variieren. Martin Luther King „I have a dream“ hatte vieles geplant und ließ sich doch erst vom Publikum zur freien, mitreißenden Rede selbst mitreißen. Das Redemanuskript ist die Basis, Ihre persönliche „Variation“ führt zur individuellen Kür.

  1. Holen Sie sich weitere Redekompetenz dazu

Nichts spricht dagegen, sich bei der Jahrestagung den Keynote-Speaker, vor den Kreditgebern zum Beispiel den Berater als Vortragsredner dazu zu holen.  Er bereitet Ihrer Botschaft mit Fachaussagen und Rede-Performance den Boden. Als „Fremder“ wird ihm besonders gut zugehört. Als Führungskraft können Sie nun in einer weiteren Ansprache die Botschaft einfach wiederholen und kürzer sein. Oder Sie lassen sich interviewen und müssen gar nicht mehr eine längere Solo-Rede halten. Denn letztlich geht es schließlich nur um eines: Insgesamt die Wirkung zu erreichen, die Sie und das Unternehmen am besten nach vorne bringt.

Der Blick auf den Rede-Gesamterfolg und nicht auf die Perfektion lässt den Unternehmer gelenkig werden.

Information zu Gastautor Malte W. Wilkes: Er ist Seniorpartner der Unternehmensberatung Erfolgsketten Management Wilkes Stange GbR in Hamburg. Der zigfache Buchautor ist Ehrenpräsident des BDU Bundesverband Deutscher Unternehmensberater und Business-Vortragsredner.  Jeweils international zertifiziert:  Certified Management Consultant CMC / ICMCI sowie Competent Speaker ACS /TMI. www.maltewilkes.de  www.erfolgskette.de  https://www.youtube.com/watch?v=msN2Y3XJhh0   

Tipp: Auf dieser Seite finden Sie hier eine Buchbesprechung von Malte W. Wilkes neuestem Buch "Speak to Lead", ein Buch, das dabei hilft, ein besserer Redner zu werden.

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