Wirtschaftsrat in der Komet-Ideen-Fabrik
Gastgeber Matthias S. Heinz, Geschäftsführer der Komet Group, berichtete über Unternehmensstrategie und Wachstum.

Wirtschaftsrat in der Komet-Ideen-Fabrik

Mit der Veranstaltungsreihe „Business Excellence“ war der Wirtschaftsrat, Sektion Ludwigsburg, am 20. Februar in Besigheim bei der Komet Group zu Gast. Geschäftsführer Matthias S. Heinz empfing seine Gäste im hauseigenen Tagungs- und Konferenzzentrum Ideen-Fabrik. Das Unternehmen zählt in seiner Branche zu den Innovationsführern und ist stolz auf seine Innovationskultur, die bis auf den Gründer zurückgeht, den genialen Tüftler und Erfinder Robert Breuning.

Die Ideen-Fabrik gilt als architektonisches Herzstück der Komet-Gruppe und ist „integraler Bestandteil des unternehmenseigenen Ideen- und Qualitätsmanagements“. Deshalb gibt es dort auch eine Mini-Ausstellung zu Robert Breuning und seinen Erfindungen, sozusagen als „Hommage an den Tüftlergeist“, wie Bernd Hehr sagte, der die Gäste durch Produktion und Ausbildungszentrum führte. Heinz, der das Unternehmen seit 2007 zusammen mit seinem Kollegen Christof W. Bönsch führt, erzählte aus der Firmengeschichte: „Robert Breuning hat das Unternehmen 1918 gegründet. Seit 1948 ist es in Besigheim ansässig. Da Robert Breuning keine Nachfolger hatte, hat er sein Vermögen in eine Stiftung nach dem Vorbild der Robert-Bosch-Stiftung überführt. Obwohl wir kein Familienunternehmen mehr sind, möchten wir die DNA des Tüftlers und Erfinders erhalten.“

Mit Mut und Weitsicht

Die Komet-Grupppe ist nach den Worten von Dr. Wolfgang Brandt, Sprecher der Sektion Ludwigsburg des Wirtschaftsrats, ein typisch schwäbisches Unternehmen, „das lieber leise tritt als Schaum zu schlagen“. Die Gruppe gilt als einer der führenden Komplettanbieter für Präzisionswerkzeuge und ist mit 20 Tochtergesellschaften, davon fünf produzierende außerhalb Deutschlands, in rund 50 Ländern weltweit vertreten. Insgesamt arbeiten 1.650 Menschen für das Unternehmen, davon 950 am Hauptsitz in Besigheim. Der Spezialist für Zerspanungswerkzeuge hat seit 2007 fast 100 Millionen Euro in Neubauten weltweit, Ausrüstung und Zukäufe investiert. Das war möglich durch gute Erträge, eine Eigenkapitalquote von 60 Prozent und "einen geduldigen Gesellschafter", wie Heinz mit Blick auf die Stiftung sagte.

„Wir sind stark auf Wachstum ausgelegt“, erklärte der Geschäftsführer. „Unter dem Motto ‚Tools and Ideas‘ setzen wir auf kundenspezifische Lösungen und Anwendungen.“ Längst hat sich das Unternehmen über einen reinen Werkzeughersteller hinaus entwickelt zu einem Dienstleister für kundenbezogene Lösungen und Premium-Produkte für alle Fertigungsstufen. „Wir haben den Service international ausgerollt und bieten unseren Kunden über ein Franchise-System auch Reparaturen ihrer Werkzeuge an. Wir befassen uns mit Beschichtung sowie Prozessführung und Qualitätsmanagement“ erläuterte Heinz das Konzept. „Wir bewegen uns in einem stark fragmentierten Nischenmarkt, in dem immer mehr Mitspieler auftauchen. Wir sind in diesem Markt Technologie- und Qualitätsführer, der Problemlöser im Premium-Bereich.“

Der Antrieb muss vom Mitarbeiter kommen

Die Ideen-Fabrik spiegle den Wandel des Unternehmens vom Werkzeughersteller zum kreativen Experten für Lösungen rund um Bohren, Gewinden, Reiben und mechatronische Werkzeuge wider. „Die Ideen-Fabrik bietet Freiräume für kreatives Lernen und Arbeiten für Kunden und Mitarbeiter“, sagte Heinz.

Das Unternehmen verfügt über ein professionelles Ideenmanagement. „Der Antrieb muss von den Mitarbeitern kommen“, sagte Heinz. „Wir erwarten zwei Ideen pro Mitarbeiter und Jahr. Nur wenn sich die Mitarbeiter jeden Tag einbringen, kann es funktionieren. Das sei anstrengend für die Führung, aber notwendig, vor allem im Hinblick auf die internationale Aufstellung. „Wir haben es mit vielen unterschiedlichen Mentalitäten und Kulturen zu tun“, erklärte der Geschäftsführer. „Deshalb müssen wir überall auf der Welt Mitarbeitern und Kunden unseren Anspruch und unsere Standards klar machen. Mit unseren Neubauten, die sich auf der ganzen Welt gleichen, signalisieren wir Sauberkeit, Präzision und Gründlichkeit.“ Diese Anforderungen müssten erfüllt werden, ansonsten setzte man auf die Freiheit der Töchter, die ihren Markt und die Bedürfnisse der Kunden am besten kennen würden. „Wer nicht vor Ort ist, ist im Nachteil“, bilanzierte Heinz das Thema Internationalisierung.

Ausbilden sichert den Nachwuchs

Bei der Führung mit Bernd Hehr wurde deutlich, dass der Ausbildung bei der Komet-Group herausragende Bedeutung beigemessen wird. „Wir bilden seit 1949 ununterbrochen aus. Bis heute haben wir rund 600 junge Menschen ausgebildet“, sagte der Ausbildungsleiter stolz. Aktuell sind 70 Auszubildende im Unternehmen. Jedes Jahr werden 23 Neue eingestellt. Alle Auszubildenden werden übernommen und erhalten in der Regel nach sechs Monaten unbefristete Arbeitsverträge. Bisher sei das auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gelungen, denn man versuche, nicht über Bedarf auszubilden. „Früher haben sich die Auszubildenden bei uns beworben, heute ist es fast umgekehrt“, sagte Hehr. „Wir nehmen schon sehr früh Kontakt zu unseren künftigen Auszubildenden auf, eigentlich schon in der Kita.“ Aktuell beteiligt sich Komet am Neubau einer Kita gegenüber dem Unternehmensgelände. Zehn Plätze werden dort für die Kinder von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung stehen. Die Auszubildenden helfen bei der Gestaltung der Außenanlagen.

„Neben der fachlichen Ausbildung legen wir großen Wert auf die persönliche Entwicklung“, sagte Hehr. „Diesem Ziel dient auch der Austausch unserer Auszubildenden mit anderen Standorten. Sie absolvieren Praktika in anderen Ländern. In Kürze erwarten wir polnische Auszubildende am Standort Besigheim.“ Hehr beklagte die Verschulung des beruflichen Bildungssystems seitens der Politik. „Unser duales Ausbildungssystem gilt auf der ganzen Welt als Erfolgssystem, doch in Deutschland selbst wird es ausgehöhlt“, sagte er.

Als Dr. Brandt vom Wirtschaftsrat den Komet-Geschäftsführer auf die mangelnde Unterstützung des Mittelstands durch die Politik ansprach, konterte Heinz mit internationalen Erfahrungen: „Natürlich könnte das eine oder andere besser laufen, aber wenn man herumkommt, sieht man viele Dinge aus einer anderen Perspektive. In Brasilien zum Beispiel leckt man sich die Finger nach den deutschen Steuergesetzen. In Indien oder China herrscht nahezu ungebremste Regulierungswut.“

Datensicherheit nach Edward Snowdon

Ein weiterer Vortrag machte den Abend in Besigheim noch spannender. Gottfried Stegmann, Geschäftsführer der „COMback GmbH“ informierte die Unternehmer über Datenschutz und Datensicherheit „in Zeiten nach Edward Snowdon“. „Eigentlich besteht in diesem Bereich ständig Handlungsbedarf, aber meistens gehört Datensicherheit nicht zu den Kernkompetenzen der Unternehmen“, sagte der Wirtschaftsinformatiker. „Doch mit dem Thema Datensicherheit tun sich auch Chancen auf hinsichtlich der Geschäftsprozesse, der Transparenz und der Rechtssicherheit.“
Der Experte ging auf die Kosten der Datensicherheit ein und streifte Themen wie Datenverlust, Private Cloud, Verschlüsselung und Datenaufbewahrung.

Das 2000 gegründete Unternehmen aus Oberreichenbach im Schwarzwald beschäftigt etwa 30 Spezialisten und ist zertifiziert vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nach ISO 27001. „Unsere Mitarbeiter sind alle sicherheitsüberprüft“, sagte Stegmann. „Außerdem sind alle an der Firma beteiligt. Das stärkt die Bindung ans Unternehmen.“ Das Unternehmen verfügt über hochsichere Rechenzentren, berät unabhängig zur IT-Sicherheit und unterstützt seine Kunden im Katastrophenfall, also bei Datenverlust. „Datensicherheit und –schutz sind Zeigefingerthemen und werden immer wichtiger“, mahnte Stegmann. „Die Entwicklung verläuft sehr schnell. Wer sich frühzeitig gut positioniert, hat die Chance, mitzukommen.“
 

Fotostrecke

© 2016 Dr. Breitsohl Verlagsgesellschaft mbH. Alle Rechte vorbehalten. www.familienunternehmer-news.de | Website: travix-media.de