Drucken

Eindrücke vom Unternehmergipfel Innovation

Wagniskultur statt Risikokultur

Unternehmergipfel Innovation, Horst Seehofer

Ministerpräsident Horst Seehofer.

Mit dem Verkehrszentrum des Deutschen Museums in München war der Veranstaltungsort für dieses Treffen gut gewählt. Schließlich kann das Deutsche Museum als Haus der Innovationen betrachtet werden, wie Generaldirektor Prof. Dr. Wolfgang M. Heckl, in seinem Impulsvortrag sagte. Direkt am Tagungsort konnte man den ersten Automotor bewundern und auch der erste Apple-Computer hat einen Platz im Museum.
Das Land Bayern kann mit zahlreichen innovativen Unternehmen aufwarten. Laut Ministerpräsident Horst Seehofer, der die Veranstaltung eröffnete, ist es als Hightech-Standort „eine Powerregion, ein Fünf-Sterne-Land“. 20 Prozent der Leistungen für Forschung und Entwicklung in Deutschland würden in Bayern erbracht, ein Viertel aller Patentanmeldungen käme aus dem südlichen Bundesland. Vier Punkte nannte der Ministerpräsident als Grundlage des bayerischen Erfolgs: die Tradition, die den Menschen Identität verleihe, aus der Vertrauen und Motivation erwachsen; eine aktive Wirtschaftspolitik, die Ziele formuliere und Anreize setze; vernetztes Denken und nie mit dem Erreichten zufrieden zu sein.

Unternehmergipfel Innovation, Deutsches Museum, Wolfgang Heckl

Prof. Dr. Wolfgang M. Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums,
war Gastgeber für den Innovationsgipfel.

Heckl hob hervor, dass Innovatoren vor allem Freiheit und „Spielwiesen“ bräuchten. Bedenkenträger seien nicht hilfreich. Man müsse sich die Frage stellen, weshalb es junge Startups in den USA viel leichter hätten, an Startkapital zu gelangen, und weshalb alleine das renommierte MIT 60 Nobelpreisträger hervorgebracht habe. In Deutschland würden eher die Risiken als die Chancen gesehen. „Wir brauchen eine Wagniskultur statt eine Risikokultur“, sagte Heckl.

Lederhosen fürs Laptop begeistern

Bei der anschließenden Diskussionsrunde mit Seehofer, Heckl, Ralf-Michael Franke von der Siemens AG, Dr. Martin Sonnenschein von A.T. Kearney und Otto Wassermann von der Otto Wassermann AG ging es um die Frage, wie die Innovatoren von Morgen gewonnen werden und wie Innovationen gedeihen können. „Man muss die Lederhosen für das Laptop begeistern“, so Seehofer salopp in Anspielung auf ein Zitat des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog. Einig waren sich alle darin, dass Bildung der Schlüssel für Innovationen sei. Seehofer gab zu, dass hier auch in Bayern noch einiges zu tun sei. Franke, bei Siemens CEO der Sparte Drive Technologies, machte klar, dass zu Innovation eine Fehlerkultur gehöre, die es den Menschen erlaube, etwas auszuprobieren.

Innovation braucht Motivation und Akzeptanz

Unternehmergipfel Innovation, Otto Wassermann

Dr. Michael Schwarzer und Otto Wassermann von der Wassermann AG
plädierten für kleinere, flexiblere Unternehmen.

Wassermann wies auf die Umfragen des Gallup-Instituts zur Mitarbeitermotivation hin. Nur elf Prozent der Mitarbeiter arbeiteten danach engagiert. Doch Innovation sei existenziell von der Motivation der Menschen abhängig. In kleinen, gut geführten Unternehmen seien die Mitarbeiter weitaus besser motiviert, doch mit dem Wachstum der Unternehmen und der Bürokratie bleibe oft das Engagement der Mitarbeiter auf der Strecke.

Seehofer ging auf einen anderen Aspekt ein: den Widerstand gegen Neues, der oft Innovation be- oder gar verhindere. Als Beispiel nannte er die Gentechnik, deren Einsatz in der Medizin, zum Beispiel beim Humaninsulin, durchaus akzeptiert werde. Man müsse den Menschen den Nutzen neuer Techniken näherbringen. Sobald die Menschen den Nutzen für sich selbst erkennen würden, steige die Akzeptanz. Auch bei der Elektromobilität und der Energieeffizienz von Gebäuden könne man das beobachten. Die Menschen empfänden die Technik noch nicht als optimal und vor allem als zu teuer. „Aus Nächstenliebe werden keine ökonomischen Entscheidungen getroffen“, sagte der Ministerpräsident. Er wünsche sich hier auch von der Politik mehr Tapferkeit, denn Subventionen könnten neue Techniken unterstützen. Dafür brauche man allerdings solide Finanzen. Heckl, Experte für Nanotechnologie, stimmte dieser Sichtweise im Wesentlichen zu. „Normale Menschen kommen bei vielen Entwicklungen nicht mehr mit“, sagte er. „Sie sehen dann vor allem die Risiken neuer Technologien.“

Bessere Unternehmensführung

Dr. Sonnenschein lenkte die Aufmerksamkeit auf den Zusammenhang zwischen Innovation und der Qualität der Unternehmensführung. „Viele Firmen in Deutschland bestehen schon lange, aber bleiben dauerhaft klein“, sagte er. Sie zeigten oft keine Risikobereitschaft, verfügten über kein Innovationsmanagement und über eine nur geringe Akzeptanz von Fehlern und Niederlagen. In einem solchen Umfeld könnten Innovationen nicht gedeihen. Auch viele mit öffentlichen Geldern finanzierte Unternehmen würden zwar wachsen, aber nicht profitabler werden. „In solchen Unternehmen braucht es eine bessere Unternehmensführung“, forderte Dr. Sonnenschein. Wassermann unterstrich, man müsse die Menschen mitnehmen, um sie zu motivieren. In einer komplexen Welt sei das unabdingbar. Nur so könne man die Eigeninitiative der Mitarbeiter sichern.

Innovation beginnt in den Köpfen

Nach der Podiumsdiskussion verteilten sich die Teilnehmer in die verschiedenen Foren, in denen es teilweise sehr konkret zur Sache ging. Innovationstreiber Organisation, E-Mobility, Kreativität und Innovation, Biotechnologie, Frauen als Innovatoren, Megatrends und Netzwerke waren nur einige der Themen, die mit verschiedenen Experten und Unternehmern diskutiert wurden.

Der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil machte den Teilnehmern nach den Foren Mut, sich von Widerständen gegen Innovationen nicht beirren zu lassen. Schließlich habe man 1835 das Eisenbahnfahren noch als gesundheitsschädlich betrachtet. Kaiser Wilhelm II. habe gesagt: „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“ Er fügte hinzu: „Die Konkurrenten unserer Unternehmen sind heute nicht nur etablierte Hightech-Unternehmen, sondern auch aufstrebende Unternehmen aus den Schwellenländern. Unser Ziel muss es sein, in allen Feldern Maßstäbe zu setzen.“ Das Land Bayern habe dank seines ausgeglichenen Haushalts die Möglichkeit, Innovationen zu fördern und tue das auch auf vielfältige Art und Weise. Doch das alles nütze nur, wenn die Gesellschaft mitziehen würde. Die Energiewende zum Beispiel sei eine Riesenchance für die deutschen Unternehmen, wenn sie eine Wende in den Köpfen bewirke. „Innovation beginnt in den Köpfen“, so der Minister abschließend. „Der Staat kann Innovationen nicht erzwingen.“

Gelebte Innovation: das Solar-Taxi

Louis Palmer, Solar-Taxi

Den Abschlussvortrag hielt der Schweizer Louis Palmer. In seinem Kopf ist die Energiewende längst angekommen. Er hat 2007 damit begonnen, seinen Traum von einer sauberen Welt umzusetzen. Mit Hilfe eines Unternehmens, der Hochschule Luzern und rund 200 freiwilligen Helfern entstand ein „Solar-Taxi“ mit Anhänger, auf dem ebenfalls Solarzellen montiert waren. Damit fuhr der Schweizer in 18 Monaten einmal rund um die Welt – 54.000 Kilometer durch 38 Länder. „Ich wollte beweisen, dass ein Fahrzeug, das mit erneuerbarer Energie angetrieben wird, alltagstauglich ist“, sagte Palmer. Das hat er zweifellos. Sogar UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon fuhr im Solar-Taxi mit, ebenso wie der Schauspieler Larry Hagman. Durch Syrien ging es mit Polizeieskorte, im indischen Bombay begleitete ihn eine Eskorte der lokalen Hells Angels, er besuchte das UNO-Hauptquartier in Wien und die Weltklimakonferenz auf Bali. Das Solar-Taxi fuhr über den Walk of Fame in Hollywood und durch Utah.

Louis Palmer, Solar-Taxi, Ban Ki Moon

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon fuhr im Solar-Taxis mit.

Überall unterwegs entdeckte Palmer innovative Klimaschutz-Projekte: in Malaysia ein Haus auf Autoreifen, das nicht einmal eine Klimaanlage brauchte. „Außen herrschten 40 Grad Celsius, innen konstant 26“, erzählt der Solar-Globetrotter begeistert. In Kanada besichtigte er ein Strohhaus. Überall außer in Australien, dem größten Kohleexporteur weltweit, warteten die Presse und neugierige Menschen. „Am Besten hat es mir in China gefallen“, sagt Palmer. „China macht mir Hoffnung. Dort fahren schon so viele E-Bikes und auf unzähligen Dächern befinden sich solarthermische Anlagen. Die Investitionen in erneuerbare Energien sind riesig.“ Entsprechend wurde der Weltumrunder empfangen. Überall jubelten die Menschen.

Louis Palmer, Solar-Taxi, China

Zu Ende ging die Reise auf der Weltklimakonferenz in Paris. 770 Millionen Menschen haben dank Internet von der Reise gehört. Für Palmer ein Zeichen weiterzumachen. Drei Teams starteten 2010 von Genf aus zu einer Reise mit „zero emissions“ in 80 Tagen rund um die Welt.

Emissionsfrei von Paris nach Prag

Am 11. September startet in Paris die „Wave 2011“ (World Advanced Vehicle Expedition) nach Prag. Teams aus acht Nationen gehen dieses Mal voraussichtlich an den Start mit 24 Elektroautos und Fahrrädern. Die „Welle“ soll jedes Jahr wachsen und irgendwann werden 193 Länder teilnehmen, so viele wie die UNO Mitglieder hat, hofft Initiator Palmer. „Wenn Klimawechsel und Energiekrise jedem bewusst sind“, sagt er, „ist es an der Zeit, mit Lösungen aufzuwarten. Es spricht nichts dagegen, dass sieben Milliarden Menschen erneuerbare Energien nutzen.“ www.wave2011.net