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6. Familienunternehmer-Konferenz ein voller Erfolg Familienunternehmen und Führung im Fokus
„Führen ist gar nicht so einfach“, so das augenzwinkernde Fazit eines Teilnehmers am Ende eines vollgepackten, interessanten Tages. Tatsächlich zeigten die Vorträge, Gespräche und Diskussionen, dass das Thema Führung unzählige Facetten hat. Jede Unternehmerin und jeder Unternehmer hat dazu seine ganz eigene Meinung und auch seine eigenen Methoden. Einig waren sich dennoch Referenten und die rund 200 Teilnehmer über die Veränderungen in den Ansprüchen der Führungskräfte an sich selbst sowie der Mitarbeiter und der Öffentlichkeit an die Führung von Unternehmen. Petra Ledendecker, Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU), machte das gleich eingangs in ihrem Grußwort deutlich: „Menschen wollen nicht mehr unter Diktaturen leben. Menschen möchten mitreden.“ Das gelte auch für Unternehmen. In dieselbe Richtung zielte Prof. Dr. Arnold Weissman, Gründer des Nürnberger Beratungsunternehmens Weissman & Cie.: „Die Zeiten, in denen wir reife Erwachsene mit Drohungen führen konnten, sind längst vorbei. Führung muss die Herzen der Menschen erreichen.“ Und weiter: „Es ist nicht die Aufgabe von Führungskräften, die Mitarbeiter zu motivieren. Manchmal reicht es schon, sie nicht zu demotivieren.“ Ein Floß für die ganze Familie
Andrea Prym-Bruck Gleich zu Beginn der Veranstaltung schlug Andrea Prym-Bruck von der William Prym GmbH & Co. KG die Konferenzteilnehmer in ihren Bann. Unter dem Motto „Wie man trotzdem überlebt“ erzählte sie die Geschichte eines fast 500 Jahre alten Unternehmens – spannender als jeder Krimi. Es ging um Intrigen, ungewöhnliche Bündnisse, um Aufstieg und Fall, um die napoleonischen Kriege und Militäraufträge. Offen erzählte Prym-Bruck von Senioren, die nicht loslassen konnten, von Preisabsprachen und Bußgeldern, von Treuhandschaft und von dem Willen einer Familie, zu kämpfen. „Wir sind grandios gescheitert, trieben wie Schiffbrüchige auf dem Meer und klammerten uns an ein paar Planken. Aber es ist uns gelungen, daraus ein Floß für die ganze Familie zu bauen“, illustrierte sie die Entwicklung der letzten Jahre. 2010 sei das beste Jahr seit der Jahrhundertwende gewesen, sagte die Unternehmerin. Jetzt gehe es darum, der nachfolgenden Generation ein unbelastetes Unternehmen zu übergeben. „Das, was wir vermasselt haben, haben wir wieder aufgeräumt“, so Prym-Bruck abschließend. „Was zeichnet eine Führungskraft aus?“
Diskutierten über Führungskultur: Joachim E. Schielke, Harald Wohlfahrt, So lautete die erste Frage, die Wolf R. Hirschmann, Geschäftsführer der Slogan GmbH, seinen Gästen stellte: Rosely Schweizer, Urenkelin von Dr. August Oetker und bis vor kurzem im Beirat des Unternehmens, Gerhard Heilemann, Sprecher der Geschäftsführung von „Hahn + Kolb“, Joachim E. Schielke, Vorstandsvorsitzender der Baden-Württembergischen Bank, und Harald Wohlfahrt, Deutschlands Spitzenkoch aus der Schwarzwaldstube in der Traube in Tonbach. Die Persönlichkeit mache den Unterschied, sagte Rosely Schweizer. Und Werte seien wichtig. Fähigkeiten könne man immer schulen. Führungskräfte müssten vor allem zum Unternehmen passen, meinte Gerhard Heilemann. Werte spielten selbst bei der Kreditvergabe eine Rolle, unterstrich Joachim E. Schielke: „Das Rating ist wichtig, aber es bildet die Vergangenheit ab, doch Geld wird für die Zukunft gebraucht. Ich muss Vertrauen in die Führung haben. Vertrauen ist ein Kapital, das nicht in der Bilanz steht.“ Spitzenkoch Harald Wohlfahrt sagte: „Ich gebe einem Koch die Möglichkeit, sich zu entwickeln. Das braucht viel Zeit und irgendwann möchte ich etwas zurück bekommen.“ Vertrauen spiele in der Küche eine große Rolle. „Wir haben drei Sterne und das Ziel ist ganz klar, sie zu halten. Bei 300 bis 400 Gerichten am Tag muss ich mich darauf verlassen können, dass jeder an seinem Platz sein Bestes gibt.“ Außerdem war sich die Runde darin einig, dass jede Führungskraft Vorbild sein müsse. Weitere Themen waren Mitarbeiterakquisition und -bindung, Unternehmenskultur und Veränderungsbereitschaft. Impressionen
Lebhafte Diskussionen in den GesprächskreisenIn den fünf Gesprächskreisen, die sich mit Nachfolge, Internationalisierung, Beirat, Fremdmanagement und Marketing befassten, gab es lebhafte Diskussionen. Eine junge Unternehmerin und zwei junge Unternehmer gaben Auskunft über ihre Rolle als Nachfolger und machten deutlich, dass die junge Generation anders führt als die ältere. Ein junger Gründer erzählte von den ersten Schritten auf unternehmerischem Parkett. „Go Chinese“ war das Motto bei der Internationalisierung. Dabei ging es nicht nur um die Frage „wie schaffe ich am Besten den Sprung nach China?“, sondern auch um die Unterschiede in Geschäftsgebaren und Verhandlungskultur. Mit Beirat und Fremdmanagement wurden zwei Themen aufgegriffen, die viele Unternehmer bewegen. Entsprechend intensiv waren die Diskussionen. Beim Marketing für Familienunternehmen ging es natürlich auch um das Thema Social Media – Risiko oder Chance?, das lebhaft diskutiert wurde. Egoistischer Altruismus
Prof. Arnold Weissman Prof. Weissman begann seine Überlegungen zum Thema Führen mit einer provokanten These. Unser Wirtschaftsmodell sei völlig falsch aufgebaut. Die These von Adam Smith, wenn jeder seinen eigenen Nutzen zu maximieren trachte, würden alle profitieren, sei grundlegend falsch. Er sei überzeugt, das nur der, der Nutzen anbiete, auch Nutzen ernten werde. Er wolle also einem egoistischen Altruismus das Wort reden. Unternehmen müssten Nutzen ihren Kunden und Mitarbeitern bieten. Dazu brauche man Gewinnerteams und die würden nur entstehen, wenn man aktiv zuhöre, Feedback gebe und mit Ich-Botschaften arbeite. „Führen heißt, andere emporheben“, sagte Prof. Weissman. „Ob Sie eine Führungskraft sind, entscheiden die Mitarbeiter. Überlegen Sie sich, ob Ihnen Menschen in einer Krise folgen. Führende haben Folgende.“ Die drei zentralen Führungswerte seien Vertrauen, Verantwortung und Verbindlichkeit. Führungskräfte müssten authentisch und konsequent sein. Im Hinblick auf die Mitarbeiter gab der Berater den Konferenzteilnehmern noch mit auf den Weg: „Was man festhält, flieht.“ Führungskräfte dürfen nicht neidisch seinEin weiterer Höhepunkt war das von SWR-Moderator Stefan Siller geführte Gespräch mit Prof. Birgit Keil, ehemalige Primaballerina im Stuttgarter Ballett und heute unter anderem Direktorin des Ballettensembles des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe, und Erwin Staudt, scheidender Präsident des Bundesligisten VfB-Stuttgart. Birgit Keil und Erwin Staudt entdeckten grundlegende Gemeinsamkeiten: „Wir suchen beide hoch talentierte, junge Menschen, müssen die Richtigen auswählen, ihnen Ziele setzen sowie Körper und Geist schulen“, sagte Staudt. Birgit Keil präzisierte ihre Vorstellung von Führungskräften: „Sie dürfen nicht neidisch sein. Sie müssen davon durchdrungen sein, andere zu fördern.“
Prof. Birgit Keil, Stefan Siller und Erwin Staudt (v.l.) Prof. Keil und der VfB-Präsident waren sich einig, dass es eine schwierige Aufgabe sei, aus unterschiedlichen Menschen eine Mannschaft bzw. ein Ensemble zu formen. „Jeder muss wissen, wie wichtig er für das Ensemble ist und wo er steht. Jeder muss für die anderen einspringen“, sagte Keil. Und jeder einzelne brauche Leidenschaft für das, was er tue. „Diesen Biss habe nicht jeder Fußballspieler, auch wenn er spielerisch noch so gut sei“, sagte Staudt auf die Anspielung Silchers auf eher unlustige VfB-Spieler. Auf die Frage des Moderators, was ihr bei ihren Führungsaufgaben am unangenehmsten sei, antwortete Keil: „Manchen Tänzern die Wahrheit zu sagen, ihnen rechtzeitig zu sagen, dass sie trotz aller Anstrengungen nie wirklich Großes erreichen werden. Aber man muss es tun und man muss es frühzeitig tun, damit sie die Chance haben, sich zu entscheiden.“ Der Tag in der Alten Reithalle im Hotel Maritim in Stuttgart ging mit vielen angeregten Gesprächen und einem erstklassigen Büfett zu Ende. Die Konferenz-Teilnehmer setzten die Gespräche fort, die sie in den Gesprächskreisen und den Pausen begonnen hatten. Auch die Informationsstände der Sponsoren fanden noch einmal Aufmerksamkeit. Diejenigen, die bereits an früheren Konferenzen teilgenommen hatten, waren sich mit den Neulingen einig, dass es eine „tolle Konferenz 2011 mit vielen Anregungen und neuen Gedanken“ war.
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