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Von glücklichen Sklaven und LorbeerenInnovatives für Familienunternehmen auf dem Weissman-Unternehmertag
Was macht ein Unternehmen erfolgreicher als andere? Lässt sich eine Innovation gezielt herbeiführen oder ist sie nur das Produkt eines Zufalls? Um diese und andere Fragen drehte es sich alles beim diesjährigen Unternehmertag des Weissman-Instituts in Herzogenaurach. Rund 180 Gäste lauschten spannenden Vorträgen, diskutierten mit Familienunternehmern und pflegten den Gedankenaustausch. Wie jedes Jahr wurde das zweitägige Event mit dem Weissman-Talk eröffnet. Unter Moderation von Jill Schmelcher zeigten Unternehmer und Führungskräfte, was aus ihrer Sicht den Erfolg eines Unternehmens ausmacht. Doch wie werden Unternehmen innovativ oder ist alles nur dem Zufall geschuldet? In erster Linie sahen die Talkgäste in der Unternehmenskultur einen wesentlichen Baustein, der solche Zufälle begünstigen kann. Vor allem Georg Schneider, Geschäftsführer der Weißbierbrauerei Schneider, fiel dabei mit seinen Zitaten und Statements auf, sorgte beim Publikum für viele Lacher: „Glückliche Sklaven sind die Feinde der Freiheit“ oder „Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, trägt sie an der falschen Stelle“. Mit einem Augenzwinkern versehen, warb der bayerische Familienunternehmer für eine Unternehmenskultur fernab des Stillstands. Dem konnte sich Bert Bleicher, geschäftsführender Gesellschafter der Hoffmann Group, nur anschließen: „Man muss ständig heiß bleiben, um sich weiterentwickeln zu können.“ Die Talkgäste waren sich aber durchaus bewusst, das Veränderungen bei vielen Mitarbeitern auf Ablehnung stoßen. Hier die Menschen mitzunehmen, sieht Fressnapf-Gründer Torsten Toeller als eine der Kernaufgaben der Führung. „Man darf die Menschen nicht alleine lassen, sondern muss ihnen gebetsmühlenartig sagen, was los ist“, unterstrich der Unternehmer. Andererseits gehe es aber auch darum, den Mut aufzubringen, Prozesse konsequent durchzuziehen. Apropos Mut: „Der kleine Schritt macht den großen Unterschied“, so Prof. Arnold Weissman. „Es ist doch allemal besser, mit einer Idee zu scheitern, als sie nicht ausprobiert zu haben“, so sein Appell ans Publikum. Wichtig sei aber sinnvolles Denken gegen die Regel. Die Talkrunde: Prof. Arnold Weissman, Georg Schneider, Michael Arends, Privatbank Delbrück Bethmann Maffei,
Von Menschen und LeitbildernArmin von Buttlar, Vorstand der „Aktion Mensch“, bot am Anfang des zweiten Tages Einblicke in die schwierige Arbeit eines Unternehmens, das einerseits als Lotterie agiert, andererseits sehr eng mit einem sozialen Engagement verbunden ist. Gestartet 1964 als „Aktion Sorgenkind“ musste sich das Unternehmen gesellschaftlichen Veränderungen anpassen. Es ging bei der Förderung behinderter Menschen nicht mehr um Mitleid, sondern um Respekt und ein Agieren auf Augenhöhe. „Es geht darum, dass meine Mitarbeiter und ich Menschen für eine Gesellschaft, in der Unterschiede normal sind, begeistern“, beschreibt von Buttlar die Vision des Unternehmens. Er zeigte, wie sich das Unternehmen strategisch neu aufstellte, ein neues Leitbild mit den Mitarbeitern entwickelte, eine Umfeld- und Eigensituationsanalyse auf die Beine stellte. „Fast alle kennen uns, vielen wissen aber nicht, was wir genau tun. Daher müssen wir noch stärker an unserem Markenkern arbeiten“, so von Buttlar. Armin von Buttlar, Gerd Hofrichter, Norbert Samhammer (v.l.)
Beeindruckend auch die Geschichte von „Junge Die Bäckerei“, die führende Bäckerei-Kette in Norddeutschland. In seinem sehr unterhaltsamen Vortrag zeigte Gerd Hofrichter, was das Familienunternehmen mit seinen 160 Filialen und 2.500 Mitarbeitern anders macht als andere. Nach dem Motto „Wenn es innen nicht brennt, kann es nach außen hin nicht leuchten“ erklärte der Marketingleiter, wie man so viele Mitarbeiter dazu bringt, ein Leitbild zu verinnerlichen. Das gelang mit Hilfe einer internen Online-Plattform, auf die sich Mitarbeiter nach Feierabend einloggen und dort Beiträge wie Gedichte, Lieder, Videos zu den Werten des Unternehmens einstellen können. „Dass das tatsächlich außerhalb der Arbeitszeit so rege genutzt wurde, hat uns überrascht“, erzählt Hofrichter. „Die ersten vier Wochen hat sich zwar nichts getan, doch nach drei Monaten lief das wie Schmitts Katze.“ Insgesamt wurden über 330 Beiträge eingestellt, die von allen registrierten Nutzern mit Sternen versehen werden können. Für die am besten bewerteten Beiträge gibt es Preise, etwa eine Reise nach Mallorca. „Das ist eine unheimlich coole Kiste – zeigt es uns doch, dass wir nicht irgendein Bäcker sind.“ Seele, Körper und Geist im EinklangKann ein Unternehmen erfolgreich sein, das ganz bewusst auf den Hochpreisstandort Deutschland setzt? Norbert Samhammer, Gründer des Softwareentwicklers Samhammer AG, kann die Antwort eindeutig bejahen, denn was den Service betreffe, hätte man hierzulande ein riesiges Potenzial. Entscheidend für den Erfolg ist für ihn aber auch ein ausgeglichenes Verhältnis von Seele, Körper und Geist. „Überprüfen Sie, wie fit Sie wirklich sind“, so sein Appell an die Unternehmer. „Nur wenn Sie gesund sind, können Sie Ihr Unternehmen als Leistungsträger voranbringen.“ Samhammer selbst geht jeden Tag in der Mittagspause joggen, auch zusammen mit seinen Mitarbeitern. Von Workaholics hält er wenig, rät dazu, auch Familie und Freunden viel Zeit einzuräumen. Das sei alles eine Sache von Zeitmanagement und Vertrauen. Seinen 400 Mitarbeitern bietet Samhammer Gesundheits- und Mentaltrainings an, hat eine Service-Management-Akademie ins Leben gerufen, unterstützt sie professionell bei familiären Problemen. Bei der Einrichtung der Büros achtet das Unternehmen auf Wohlfühlarbeitsplätze. „Wir haben hoch motivierte Mitarbeiter, die auf gemeinsame Werte bauen können. Eine ideale Voraussetzung, um auch künftig wachsen zu können“, so der Geschäftsführer. Problemlöser sind die GewinnerIn seinem Schlussvortrag „Wer Regeln bricht, gewinnt“ zeigte Prof. Arnold Weissman anhand seines evolutionsbiologischen Ansatzes wie sich Familienunternehmen mit proaktiver Anpassung und Andersartigkeit aus der Masse abheben. „Einzigartigkeit erhöht die Überlebenswahrscheinlichkeit“, so sein Credo. Die Kunst sei es, als erster Probleme von Menschen zu erkennen und in einem nächsten Schritt On-Demand-Lösungen anzubieten. Außerdem müssten sich Unternehmen permanent fragen, welche Auswirkungen Trends auf ihr Geschäftsmodell haben. Nach der Devise „Könner erfüllen den Standard, Experten setzen den Standard“ gelte es, voran zu schreiten. Dazu gehört für ihn auch der Aufbau einer gelebten Marke „Seien Sie authentisch in dem, was Sie tun“, so Weissman. „Ansonsten werden Sie scheitern.“ -hf
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