Chefsache Empowerment

Torsten Osthus ist kein Träumer, sondern Unternehmer und er kennt sie alle, die Probleme mit Mitarbeitern, die keine Verantwortung übernehmen, den Kunden verärgern etc. Und dennoch: Er ist überzeugt, dass Befehle und Kontrolle nicht zielführend sind. Stattdessen fasst er sich an die eigene Nase. Jeder Unternehmer oder Chef wird sich wiedererkennen, schon ganz am Anfang es Buchs, wenn der Autor von seinem ganz persönlichen „30. Februar“ erzählt.

Osthus, Inhaber und Geschäftsführer eines Softwaredienstleisters für IT-Lösungen, hat kein „Berater-Buch“ geschrieben, sondern eher eine reflektierte Zusammenfassung seiner Erfahrung als Unternehmer. Einer der wichtigsten Sätze in diesem Buch ist: „Mitarbeiter können ihre Stärken nur unter den Bedingungen von Freiheit und Verantwortung erfüllen.“ Ob Mitarbeiter bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, hängt laut Osthus von der Führung ab. Chefs müssten Vertrauen in ihre Mitarbeiter haben und auf Mitarbeiter-Coaching statt auf Mitarbeiter-Kontrolle setzen. Als gemeinsame Basis schlägt der Unternehmer einige wenige Werte vor, die zusätzlich zur Fachkenntnis vorhanden sein sollten: Vertrauen, Verantwortung, Ergebnisse mit Kundennutzen zu erzielen und permanentes Lernen durch Feedback und Verbesserung.

Aufgaben delegieren, nicht abschieben

Der Autor macht den Unterschied zwischen richtigem Delegieren und „Wegdelegieren“ klar. Richtiges Delegieren sei ein wesentliches Element von Führung und verlange, den Mitarbeiter genau zu  kennen, seine Kompetenzen, seine persönlichen Ziele, seine Arbeitsweise. Bei Führung gehe es um Beziehungen nicht um Sachkompetenzen. Um erfolgreich zu arbeiten, müsse der Mitarbeiter die Unternehmensziele und seinen Beitrag dazu kennen und regelmäßig Feedback erhalten. Der Chef müsse den Mitarbeiter bei der selbstständigen Durchführung seiner Arbeiten unterstützen und begleiten. Dafür müsse man sich Zeit nehmen. Wer während des Gesprächs mit dem Mitarbeiter auf das Smartphone schiele, habe schon verloren.

Demgegenüber stellt Osthus das „Wegdelegieren“, eigentlich eine Respektlosigkeit gegenüber dem Mitarbeiter. Der Chef schiebe ungeliebte Arbeit ab, lasse den Mitarbeiter über die Ziele im Unklaren und gebe kein Feedback. Läuft etwas schief, sei der Mitarbeiter der Sündenbock. Osthus fragt den Leser: „Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie Abarbeitungshäppchen statt Aufgaben vorgesetzt bekämen?“ In Unternehmen, in denen es so zugehe,  seien Machtspielchen, Grabenkämpfe, Egotrips und Statusstreben an der Tagesordnung. Die Mitarbeiter seien demotiviert und die Ergebnisse infolgedessen schlecht. Dagegen blühe ein Mitarbeiter auf, der seinen Talenten entsprechend eingesetzt werde. Er entwickle Selbstbewusstsein und Energie. Wer seine Mitarbeiter dazu befähige, ihre Aufgaben selbstständig und verantwortungsbewusst zu bewältigen, könne sich zurückziehen und sich seinen eigentlichen Aufgaben als Unternehmer widmen.

Chefsache Empowerment, Linde-Verlag, ISBN 978-3709305997, € 19,90, auch als E-Book erhältlich

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